Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Straßenbenennung nach dem Widerständler Prof. Dr. Friedrich Erxleben

Mit Freude gibt es zu berichten, dass die erste nach dem Widerständler Prof. Dr. Friedrich Erxleben benannte Straße eingeweiht wurde. Geschehen ist das im Moselort Müden. Dort war Friedrich Erxleben nach seinem Widerstand gegen den Nationalsozialismus, nach KZ- und Untersuchungshaft sowie Anklage vor dem Volksgerichtshof von 1946 bis 1951 Gemeindepfarrer. In Müden ist er unvergessen. Sichtbares Zeichen seiner Wertschätzung bis heute ist die Straßenbenennung nach ihm. Im Juli  2019 wurde die Straße unter großer Anteilnahme der Bevölkerung offiziell eingeweiht. Unser Förderverein Mahnmal hält seit Jahren die Erinnerung an Friedrich Erxleben in vielfältiger Weise wach und freut sich mit den Müdenern, dass sie jetzt eine Straße nach diesem Widerständler benannt haben. Damit ist dem kleinen Weinort an der Mosel etwas gelungen, was Koblenz, die Stadt, in der Erxleben bis zu seinem Studium und auch zeitweise nach dem Krieg gelebt hat, bislang nicht geschafft, ja nicht einmal initiiert hat.

Sehen Sie hier Fotos von der Einweihung der Prof.-Friedrich-Erxleben-Straße im Juli 2019 in Müden/Mosel:



Viele Müdener sind zur Straßeneinweihung gekommen und geben ihrem "alten Pastor" die Ehre.

Heimatforscher und örtlicher Biograf Friedrich Erxlebens,  Rudolf Bertgen, bei seiner Laudatio auf den Namensgeber.

Alt-Bürgermeister Franz-Josef Thönnes und Erich Möntenich, die sich ebenfalls um die Straßenbenennung verdient gemacht haben,
bei der Enthüllung des Straßenschildes.

 
Das Schild der Prof.-Friedrich-Erxleben-Straße mit dem Zusatzschild.


Mit ganz Müden freuen sich (v.l.n.r.): Erich Möntenich, Alt-Bürgermeister Franz-Josef Thönnes,  Bürgermeister der Verbandsgemeinde Cochem Wolfgang Lambert, Ortsbürgermeister Franz Oberhausen, Rudolf Bertgen und eine Abordnung des Müdener Junggesellenvereins
(Friedrich Erxleben war dort Ehrenmitglied).

Die "innere Front" im Zweiten Weltkrieg
 
Anfang September 2019 wurde vielerorts an die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges durch Hitler-Deutschland erinnert. Anlass war der Ausbruch dieses "Weltbrandes" am 1. September 1939, vor 80 Jahren. Vor allem in Polen wurde dieses Ereignisses gedacht.  Kein Thema in der Berichterstattung war, dass Hitler-Deutschland gleichzeitig auch gegen den "inneren Feind" mobil machte. Das begann etwa mit der Kriegsssonderstrafrechtsverordnung (KSSVO) und der Kriegsstrafverfahrensordnung. Beide datierten bereits vom 17. August 1938(!) und waren zurzeit der sog. Sudetenkrise erarbeitet worden. Die KSSVO war als "militärische Mobilmachungsmaßnahme auf dem Gebiet der Kriegsstrafrechtspflege" konzipiert. Ihre Aufgabe war der "Kampf gegen die Zersetzung des völkischen Wehrwillens". Besonders schwerwiegend und häufig angewandt war § 5 KSSVO, der die "Zersetzung der Wehrkraft" unter Strafe - generell Todesstrafe - stellte. Viele Todesurteile fällten dann nicht nur der Volksgerichtshof und das Reichskriegsgericht in Berlin, sondern auch die Sondergerichte vor Ort. Sie waren die mörderische "Panzertruppe der Rechtspflege".
 
Aber nicht nur mit justiziellen Mitteln führten die Nazis und ihre Helfer den Kampf gegen den "inneren Feind". Vielmehr gingen sie auch extralegal, mit den Mitteln der Gestapo, vor. Das geschah schon unmittelbar bei Kriegsbeginn mit der Verhaftung politischer Gegner, vor allem von Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschaftern (soweit sie überhaupt noch auf freiem Fuß waren) bei der sog. A-Kartei-Aktion. Ihr lag die A-Kartei zugrunde, in der Personen geführt wurden, die unter Beobachtung der Gestapo standen. Ca. 850 von ihnen wurden in die Konzentrationslager verschleppt und dort vielfach bis zu ihrem Tod oder bis zum Kriegsende festgehalten.
 
In seiner Artikelserie über die "Erinnerung an NS-Opfer" hat unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig über den Kampf der Nazis gegen die "innere Front" berichtet. Dabei hat er auch Opfer der sog. A-Kartei-Aktion aus Koblenz und Umgebung kurz porträtiert.
 
Lesen Sie HIER den Artikel "Die 'innere Front' im Zweiten Weltkrieg" im "Schängel", Ausgabe Nr. 38, vom 18. September 2019.

 
Lesen Sie HIER den Artikel über den Koblenzer Sozialdemokraten und Gewerkschafter Johann Dötsch "Der SPD-Funktionär und Gewerkschafter Johann Dötsch" im "Schängel", Ausgabe Nr. 39, vom 25. September 2019.

 
Lesen Sie HIER den Artikel über den Höhr-Grenzhausener Kommunisten und Gewerkschafter Alfred Knieper "Der Kommunist, Gewerkschafter und Regierungsvizepräsident Alfred Knieper" im "Schängel", Ausgabe Nr. 40, vom 2. Oktober 2019.


 
Lesen Sie Hier den Artikel über den Wahlkoblenzer Gewerkschafter und Sozialdemokraten Carl Vollmerhaus "Carl Vollmerhaus - Gewerkschafter , Sozialdemokrat und 'Kotelett-Carl'" im "Schängel, Ausgabe Nr. 41, vom 9. Oktober 2019.
 

Auf den Hass folgt der Terror - nach "Halle" was nun?
 
Am Mittag des 9. Oktober 2019 versuchte nach den bisherigen Erkenntnissen ein rechtsradikaler Täter in der Synagoge in Halle ein Massaker zu verüben. Er wollte mit Waffengewalt in die Synagoge eindringen und möglichst viele der versammelten Juden ermorden, die dort am "Jom Kippur", dem höchten jüdischen Feiertag, Gottesdienst hielten. Ein Massaker unterblieb durch Zufall nur deshalb, weil es dem Täter nicht gelang, die besonders gesicherte Eingangstür der Synagoge aufzubrechen. Stattdessen tötete er in der Nähe eine 40jährige, ihn ansprechende Frau und - wild  in einen Dönerimbiss schießend -  einen 20jährigen Bauarbeiter, der dort Gast war.
 
Einen Monat vor der 81. Wiederkehr der Novemberpogrome vom 9./10. November 1938 ("Reichspogromnacht") ist damit der antisemitische Terror in Deutschland zurück. Das ist schrecklich, aber es war zu befürchten. Nie war der Antisemtismus in Deutschland ganz verschwunden, und die antisemitische Gewalt auch nicht.
 
Ein Großteil der Bevölkerung ist geschockt. Das Schlimme ist auch, dass nach einer Mitte Oktober 2019 veröffentlichten Umfrage des Jüdischen Weltkongresses der Antisemitismus in Deutschland weit verbreitet ist. Danach hegen 27 Prozent aller Befragten, das ist mehr als jeder vierte Deutsche, antisemitische Gedanken. 41 Prozent der Deutschen sind gar der Meinung, Juden redeten zu viel über den Holocaust Und dieser Antisemitismus ist längst "in der Mitte der Gesellschaft" angekommen.
 
Damit sind wir alle aufgerufen zur Solidarität mit den in Deutschland lebenden jüdischen Menschen, zum Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus. Dem verständlichen Schock und der Ratlosigkeit muss jetzt - endlich - ein entschlossenes und wirkungsvolles Handeln folgen. Dazu sind  "der Staat" und "die Kommunen" und gerade "die Schulen" aufgerufen. Aber auch die Zivilgesellschaft muss jetzt "Flagge" und Zivilcourage zeigen.
 
Mit "Halle" und danach beschäftigt sich auch unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig in seiner Artikelserie "Erinnerung an NS-Opfer".  Lesen Sie dazu die drei Beiträge im "Schängel".
 

Lesen Sie HIER "Was haben wir aus "Halle" gelernt und was tun wir jetzt?" im "Schängel" - Ausgabe 43 vom 23. Oktober 2019 -
 
Lesen Sie HIER "Auf den Hass folgt der Terror - nach 'Halle' was nun?" im "Schängel" - Ausgabe 42 vom 26. Oktober 2019 -
 
Lesen Sie HIER "Das Gift des Antisemitismus - gestern - heute - und auch morgen?" im "Schängel" - Ausgabe 44 vom 30. Oktober 2019 -
 

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