Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Evangelische Christen unter dem (Haken-)Kreuz.

Im Beiprogramm zur Ausstellung in der Pfaffendorfer Kirche "Menschen - Nachbarn - Schicksale" ging es um die Rolle der evangelischen Christen und die der evangelischen Amtskirchen während der NS-Zeit. Wiederum stand - getreu der Intention der Veranstaltungsreihe, anhand von Biografien vor Ort Aspekte jener verbrecherischen Jahre aufzuzeigen - eine Lebensgeschichte im Mittelpunkt. Dazu porträtierte der ehemalige evangelische Pfarrer Ulf Rademacher, der vor einigen Jahren Pfarrer in Pfaffendorf war, einen seiner Vorgänger im Amt. Dieser war kein NS-Opfer oder resistenter Geistlicher, sondern vielmehr ein fanatischer Hitler-Anhänger: Pfarrer Heinrich Weinmann, der von 1932 bis 1945 Pfarrer in der Gemeinde von Koblenz-Pfaffendorf war. Ganz bewusst beschäftigte man sich mit diesem NS-Täter im Talar. Der evangelischen Kirchengemeinde ging es - wie ihr derzeitiger Pfarrer Peter Stursberg erklärte - darum, auch die Geschichte der eigenen Pfarrgemeinde ein Stück weit aufzuarbeiten und Verantwortung dafür zu übernehmen. Denn die Täter und die vielen, viel zu
vielen Helfer Hitlers gehören auch zur Erinnerung an die NS-Zeit, an die damaligen Verirrungen und Verbrechen und sind eine Mahnung an uns Heutige, unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zu wahren und zu verteidigen.
 
Lesen Sie HIER den Artikel unseres stellvertretenden Vorsitzenden Joachim Hennig zu dieser Veranstaltung in seiner Serie im "Schängel" Nr. 12 vom 20. März 2019.

Eine sehr gelungene Auftaktveranstaltung zu: Menschen - Nachbarn - Schicksale.
 
Am Montag, dem 11. März 2019, startete die von der evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Pfaffendorf in Kooperation mit unserem Fördervertein präsentierte Veranstaltungsreihe "Menschen - Nachbarn - Schicksale: NS-Opfer im rechtsrheinischen Koblenz - verfemt, verfolgt, vergessen?" Sie begann mit einer Statio in der Ravensteynstraße 10, an dem für die damalige Bewohnerin des Hauses Mathilde Morgenthau verlegten Stolperstein. Offiziell eröffnet wurde die Veranstaltungsreihe und die Ausstellung in der evangelischen Kirche in Koblenz-Pfaffendorf von Pfarrer Peter Stursberg und mit einem Vortrag unseres stellvertretenden Vorsitzenden Joachim Hennig. Hennig referierte über die Jahrhunderte lange Verfolgungsgeschichte der deutschen Zigeuner, der Sinti. Am Schichsal des späteren Koblenzer Ausnahmemusikers Daweli Reinhardt schilderte er insbesondere die Geschichte in der NS-Zeit, die mit dem Völkermord an den "Zigeunern" Europas, dem Porajmos. An diesem Tiefpunkt der Geschichte für die Sinti blieb Hennig aber nicht stehen. Eindrucksvoll zeigte er, wie Daweli Reinhardt nach der Befreiung sein Schicksal in die Hand nahm, eine Familie mit zehn Kindern gründete und Mitbegründer des Schnuckenack-Reinhardt-Quintetts in den 1960er Jahren war. Hervorragend ergänzt wurde der Vortrag von zwei Enkeln Dawelis. Taylor Paucken und Jermaine Reinhardt zeigten mit ihrer Musik virtuos, was sie von ihrem Großvater gelernt haben und wie sie die Musik deutscher Sinti inzwischen interpretieren und weiter entwickeln. Man darf auf die weiteren Veranstaltungen dieser Reihe sehr gespannt sein, die in anderen Kirchen und kirchlichen Einrichtungen des rechtsrheinischen Koblenz mit anderen Veranstaltungen und Schwerpunkten in den nächsten Monaten fortgesetzt wird.
 
Nachfolgend eine Fotostrecke von der Veranstaltung (Fotos: Ralf Schulze)


 
Lesen Sie HIER den Artikel im "Schängel" Nr. 11 vom 13. März 2019.
 
Lesen Sie HIER auch einen Leserbrief im "Schängel" Nr. 12 vom 20. März 2019 zu der Artikelserie "Erinnerung an NS-Opfer" unseres stellvertretenden Vorsitzenden Joachim Hennig im "Schängel" und insbesondere zu der Veranstaltung am 11. März 2019
 
HIER können Sie sich einen Bericht des Lokal-TV-Senders RLP-TV zur Veranstaltung ansehen

Zu dieser gelungenen Auftaktveranstaltung für die Reihe "Menschen - Nachbarn - Schicksale:
NS-Opfer im rechtsrheinischen Koblenz - verfemt, verfolgt, vergessen?" und zu der Schängel-Serie unseres stellvertretenden Vorsitzenden Joachim Hennig "Erinnerung an NS-Opfer" hat der "Schängel" noch einen Leserbrief veröffentlicht,
den Sie HIER lesen können.

 

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