Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

1998

(Hinweis: Diese Webseite ist erst 2005 entstanden - Sie lesen hier über die vorhergehenden Vereinstätigkeiten)

Weitere „Forschungen“ über die Zeit des Nationalsozialismus in Koblenz und Umgebung. Erste Vorträge.

Ende 1998 / Anfang 1999 achtteilige Artikelserie von Joachim Hennig in der Rhein-Zeitung, mit Kurzbiografien zum Thema „Verfolgte und Widerständler aus Koblenz und Umgebung“, es war die erste systematische und kontinuierliche Darstellung von Biografien Koblenzer Opfer der NS-Zeit.

Pater Franz Reinisch: "Einem Verbrecher einen Eid leisten? -Niemals."

Während des "Dritten Reiches" wurden im Rheinland viele katholischen Priester, Ordensleute und auch Laien wegen ihres Glaubens verfolgt. Auf ihrem Rücken trugen die Nazis ihren "Weltanschauungskampf" gegen die katholische Kirche aus. Dabei blieben die Priester ohne wirkliche Unterstützung ihrer Kirche. Sie waren "Märtyrer ohne Auftrag".

Von Joachim Hennig

Unter diesen Opfern nahm Franz Reinisch eine Sonderstellung ein. Er ließ sein Leben für seinen Glauben und war zudem ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus.

1903 in Feldkirch/Österreich geboren studierte er Rechtswissenschaften und Theologie. Er trat in den Pallotiner-Orden ein und kam in den 30er Jahren zur Schönstatt-Bewegung in Vallendar-Schönstatt. Dort gehörte er zum engsten Kreis um deren Gründer Pater Josef Kentenich.

Als Hitler im Jahre 1939 den Zweiten Weltkrieg entfesselte, stand für Pater Reinisch bald fest, bei einer Einberufung zum Kriegsdienst den Fahneneid, den Eid auf Hitler persönlich, nicht zu leisten. Schon 1939 sagte er in Schönstatt: "Den Soldateneid auf die nationalsozialistische Fahne, auf den Führer, darf man nicht leisten. Das ist sündhaft. Man würde ja einem Verbrecher einen Eid geben."

Im April 1942 erhielt er den Gestellungsbefehl und verweigerte dann, obwohl er sich immer wieder prüfte, konsequent den Eid. Deshalb machte man ihm drei Monate später vor dem höchsten deutschen Militärgericht, dem Reichskriegsgericht in Berlin, den Prozeß. Die Anklage lautete auf "Zersetzung der Wehrkraft".

Das Verfahren war wie in vielen anderen Fällen eine Farce. Es ging den Richtern - Juristen und hohen Militärs - nicht um die Wahrheitsfindung, sondern nur um ein "Verurteilen" und "Ausmerzen" eines Andersdenkenden. Als Pater Reinisch seine Beweggründe vor dem Reichskriegsgericht darlegen wollte, unterbrach ihn der Vorsitzende mit den Worten: "Halten Sie keine kirchliche Propagandarede. Wir sind kein Kirchengericht, sondern ein Kriegsgericht!"

Das von Anfang an feststehende Urteil lautete auf Todesstrafe und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit. In den Urteilsgründen hob das Gericht zu allem Überfluß auch noch hervor, daß die kirchlichen Oberen nicht zu ihm gestanden hätten. Tatsächlich hatte ihn der Orden wegen seiner Haltung aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.

Auch nach dem Urteil ließ sich Pater Reinisch durch niemanden von seiner Überzeugung abbringen, obwohl dies sicherlich sein Leben gerettet hätte. Für die Verweigerung des Eides auf Hitler persönlich starb er den Märtyrertod. In großer Glaubens- und Gewissenstreue hat er den Tod angenommen und dies in seinem selbstverfaßten Sterbelied in die Worte gefaßt: "Auch heute ruft Gott wieder nach einer Heldenschar; drum bringe mich, o Mutter, als Liebesopfer dar." Am 21. August 1942 um 5.03 Uhr wurde Pater Franz Reinisch im Zuchthaus Brandenburg durch das Fallbeil hingerichtet. In dieser Nacht wurden dort insgesamt sieben Todesurteile vollstreckt.

Seine sterblichen Überreste sind neben der Schönstätter Gnadenkapelle beigesetzt. Sein Leben ist in mehreren Büchern beschrieben über ihn beschrieben. Auch sonst ist er nicht vergessen. In Bruchsal, Bad Kissingen, Friedberg bei Augsburg und in einer Wallfahrtskirche bei Schwäbisch-Gmünd erinnern Gedenkplaketten und -tafeln sowie in einer Abteikirche bei Höxter ein Gedenkstein an ihn. Auch Vallendar hat Pater Reinisch nicht vergessen. Vor einem halben Jahr hat der Stadtrat beschlossen, eine der beiden nächsten neuen Straßen nach ihm zu benennen.

 

Joachim Hennig in Rhein-Zeitung vom 28.Dezember 1998

 


 

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