Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2006.

Zum Gedenktag am 27. Januar 2006 zeigte unser Förderverein wiederum eine eigene Ausstellung. Die Idee war, aus Anlass der offiziellen Gründung des Landes Rheinland-Pfalz vor 60 Jahren (mit der Anordnung der französischen Militärregierung am 30. August 1946) Biografien von NS-Opfern zu präsentieren, die die Verfolgung in der NS-Zeit überlebt hatten und dann den Neuanfang im Land Rheinland-Pfalz mitgestalteten. Dies sollten Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft, Verbänden, Künstlern u.a. Beim Aufbau der Ausstellung konnte unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig auf einige Biografien und Personentafeln zurückgreifen, die er bereits in den Jahren zuvor erarbeitet hatte. Diese vorhandenen Tafeln ergänzte er dann für die Ausstellung mit 12 weiteren Porträts. Insgesamt entstanden so 25 Personentafeln von NS-Opfern aus Koblenz und Umgebung. Unser Förderverein präsentierte sie unter dem Motto: „‘Wir können nur vorwärts, denn hinter uns ist der Tod.‘ – NS-Opfer aus der Region Koblenz und Neuanfang vor 60 Jahren“.

Lesen Sie HIER das Programm für die Ausstellungseröffnung am 18. Januar 2006 im Bischöflichen Cusanus-Gymnasium Koblenz.

 

Zur Eröffnung hielt der stellvertretende Vorsitzende unseres Fördervereins Joachim Hennig die nachfolgend dokumentierte Rede:


Sehr geehrte Damen und Herren!

Die diesjährige Ausstellung des Fördervereins Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e.V. zum Gedenktag am 27. Januar steht unter dem Motto: „’Wir können nur vorwärts, denn hinter uns ist der Tod.’ –NS-Opfer aus der Region Koblenz und Neuanfang vor 60 Jahren“.

Sie sehen hier die zweite selbständige Ausstellung unseres Fördervereins. Wer die Gedenkarbeit in Koblenz seit einiger Zeit verfolgt, weiß, dass der Förderverein Mahnmal Koblenz zu dem Gedenktag schon seit dem Jahr 2003 Ausstellungen in Koblenz präsentiert. Zunächst waren es regionale Ergänzungen zu Wanderausstellungen. So zeigten wir zum 27. Januar 2004 an gleicher hier im Bischöflichen Cusanus-Gymnasium eine Ausstellung zum Thema „Verfolgte Kinder und Jugendliche in der NS-Zeit“ und hatten dafür einen recht umfangreichen regionalen Teil mit Opfern aus Koblenz erarbeitet. Im letzten Jahr haben wir unsere erste selbständige Ausstellung in der Sparkasse Koblenz gezeigt mit dem Motto: „’Es war eine Fahrt durch die Hölle.’ Befreiung des KZ Auschwitz vor 60 Jahren“. Damit porträtierten wir zum 60. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz 16 NS-Opfer aus Koblenz und Umgebung.

Die Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar 1945 war bekanntlich der Anlass für die Proklamation des Gedenktages am 27. Januar. Von daher war der letztjährige Gedenktag zur 60. Wiederkehr der Befreiung des KZ Auschwitz schon sehr herausgehoben. Das macht es schwierig, den diesjährigen Gedenktag – den 61. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz – zu thematisieren. Denn was – so könnte man meinen – was soll schon nach Auschwitz kommen? Ist doch „Auschwitz“ im nationalen und auch internationalen Sprachgebrauch inzwischen das Synonym für Unmenschlichkeit, Völkermord, Rassenwahn und Intoleranz. Verursacht „Auschwitz“ nicht Scham und Sprachlosigkeit, die es verbieten, in der Gedenkarbeit gleichsam routinemäßig fort zu fahren?

Wir vom Förderverein Mahnmal Koblenz haben uns diesen Fragen gestellt. Dabei ist uns bewusst, dass wir am diesjährigen 27. Januar, dem Gedenktag „danach“, eine besondere Verpflichtung und Aufgabe haben bei der Gestaltung des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Deshalb haben wir uns entschieden, in diesem Jahr der überlebenden NS-Opfer zu gedenken. Sie waren es, die unmittelbar nach der Befreiung im Jahr 1945/46 das Gedenken an ihre toten Kameradinnen und Kameraden begonnen haben, wach zu halten. Zudem haben sie uns deutlich gemacht, dass wir bei der Erinnerung und Trauer nicht stehen bleiben, sondern das Gedenken als eine Verpflichtung ansehen sollten, unsere eigene Zukunft und die unserer Kinder und Kindeskinder in die Hand zu nehmen und zu gestalten.

Dieses Wissen und dieses Bewusstsein werden exemplarisch deutlich an dem „Schwur von Buchenwald“, den die Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald wenige Tage nach der Befreiung leisteten. Dazu zitiere ich hier aus einem Bericht eines Zeitzeugen, in dem es u.a. heißt:

Am 19. April 1945 fand die Trauerkundgebung für die Toten von Buchenwald statt. Ein großes Ehrenmal war auf dem Appellplatz errichtet. Die Blocks und Baracken waren mit Fahnen und Transparenten geschmückt. Die Fahnen fast aller Nationen wehten im Winde und zeigten, dass die Völker auch friedlich nebeneinander leben können. Unter den Klängen ihrer Nationallieder marschierten die Nationen auf. Russen, Polen, Tschechen, Slowaken, Jugoslawen, Österreicher, Ungarn, Rumänen, Engländer, Deutsche, Franzosen, Italiener, Spanier, Belgier, Holländer und Luxemburger.
Unter den Klängen der „Internationale“ marschierten die gemischten Blocks auf. 21.000 marschierten zum Gedächtnis für 60.000 tote Kameraden. Die Fahnen wurden vor dem Ehrenmal aufgestellt und neigten sich zum Gruß.
Der Vorsitzende des Internationalen Lagerkomitees, Walter Bartel, eröffnete die Kundgebung. Mit entblößtem Haupt gedachten die befreiten Häftlinge der Toten. Dann verlasen Mitglieder des Internationalen Komitees – jeder in seiner Sprache – den Aufruf:

Wir Buchenwalder, Russen, Franzosen, Polen, Tschechen, Slowaken und Deutsche, Spanier, Italiener und Österreicher, Belgier und Holländer, Engländer, Luxemburger, Rumänen, Jugoslawen und Ungarn, kämpften gemeinsam gegen die SS, gegen die nazistischen Verbrecher, für unsere eigene Befreiung.
Uns beseelte eine Idee: Unsere Sache ist gerecht – Der Sieg muss unser sein!
Wir führten in vielen Sprachen den gleichen harten, erbarmungslosen, opferreichen Kampf, und dieser Kampf ist noch nicht zu Ende. Noch wehen Hitlerfahnen! Noch leben die Mörder unserer Kameraden! Noch laufen unsere sadistischen Peiniger frei herum!
Wir schwören deshalb vor aller Welt auf diesem Appellplatz, an dieser Stätte des faschistischen Grauens:
Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht!
Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.
Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig. Zum Zeichen Eurer Bereitschaft für diesen Kampf erhebt die Hand zum Schwur und sprecht mir nach:
WIR SCHWÖREN!
21.000 Männer streckten die Hand zum Himmel und sprachen: „Wir schwören!“

Der „Schwur von Buchenwald“ zeigt auch, dass sich die Opfer des Nationalsozialismus oft schon kurz nach ihrer Befreiung für den demokratischen Neuanfang und den Wiederaufbau nach dem Krieg engagierten. Dies geschah aus verschiedenen politischen und religiösen Grundhaltungen heraus, vor allem aus den Grundhaltungen heraus, aus denen diese Menschen zuvor zu Opfern des Nationalsozialismus geworden waren. Zudem ergab sich eine Grundhaltung aus den Erfahrungen in den Konzentrationslagern, von denen der zitierte „Schwur von Buchenwald“ eine, wenn auch wichtige Grundhaltung verkörpert. Aber immer geschah dieser Neuanfang und Wiederaufbau aus den Erfahrungen der Verfolgung und des Leidens, die das verbrecherische Regime des Nationalsozialismus in besonderem Maße über diese Menschen gebracht hatte.

Die hier porträtierten Opfer des Nationalsozialismus sind nicht „vergangene Geschichte“. Sie sind Menschen aus „Fleisch und Blut“, die beispielgebend für uns alle, gerade auch für die heutige Jugend, sein können und sollen. Es sind ausgewählte Biografien, die zeigen, wie Menschen in ganz extremen Situationen – unter jahrelanger Folter, Erniedrigung, Hunger, Verzweiflung, Todesangst – überlebt und den Mut und die Kraft gefunden haben, ein neues Leben zu beginnen oder da anzuknüpfen, wo sie aufgrund der Verbrechen des Nationalsozialismus notgedrungen haben aufhören müssen. Die Ausstellung zeigt auch, wie die Menschen nach vorn geschaut haben – das Motto der Ausstellung lautet ja: „Wir können nur vorwärts, denn hinter uns ist der Tod“ – und wie diese Menschen ihr Leben in die Hand genommen haben und Beispielhaftes geleistet haben.

Die hier Biografierten können damit Leitbilder für uns alle sein. Die Gedenkarbeit – so wie wir sie verstehen – soll nicht stehen bleiben in der Todesangst der Opfer, der Trauer der Überlebenden und der Scham der Nachgeborenen über das Geschehene. Sie soll vielmehr auch Mut machen für die eigene Lebensgestaltung. Von daher ist diese Gedenkarbeit zukunftsweisend. Sie gibt uns aktuell auch heute noch etwas und beantwortet zugleich die immer wieder zu hörende Frage, warum denn nicht endlich Schluss sein kann. Es kann nicht Schluss sein – auch nicht um unseretwegen.

Überdies sind die Biografien Mosaiksteine der Geschichte der Nachkriegszeit. Sie machen exemplarisch den schwierigen Neuanfang nach 1945 deutlich. Sie zeigen, wie wir wurden, was wir heute sind. Wie sich unsere Geschichte entwickelt hat und weshalb es nicht anders geworden ist. Porträtiert werden „Männer und Frauen der ersten Stunde“. Sie waren nach 1945 vor allem hier in Koblenz aktiv, war Koblenz doch Sitz des Oberpräsidenten der Provinz Rheinland/Hessen-Nassau und später – nach der Gründung des Landes Rheinland-Pfalz – zunächst der Landesregierung und des Landtages von Rheinland-Pfalz.

Die Geschichte dieser Menschen zeigt aber auch, wie schwer sie es hatten, nach der Befreiung wieder „im normalen Leben“ – also außerhalb des Konzentrationslagers, des Zuchthauses, nach ihrer Rückkehr aus der Emigration oder der Illegalität – zurecht zu kommen. Sie kamen zurück in eine zerstörte Stadt, waren vielfach schwer krank, ihre Familien waren zerstreut, ihre Arbeitsstellen verloren. Lebensmittel waren Mangelware. Nicht selten mussten sie zudem auch noch gegen Vorurteile kämpfen (nach dem Motto: „Es wird schon etwas dran gewesen sein, wenn man im Zuchthaus war.“). Bisweilen sah man sie auch als „Störenfriede“ an – vor allem ganz konkret dann, wenn sie ihr Hab und Gut zurückhaben wollten. Die Geschichte dieser Menschen zeigt auch, wie wenig und spät unsere Gesellschaft etwas getan hat, um diese NS-Opfer zu integrieren und den Schaden wieder gut zu machen. – Und wie sehr diese Menschen kämpfen mussten, um endlich ein menschenwürdiges Leben in gesicherter Existenz und in Achtung und Anerkennung zu führen.

Das Motto der Ausstellung „Wir können nur vorwärts, denn hinter uns ist der Tod“ ist ein Wort von Simon Wiesenthal, der vor wenigen Monaten gestorben ist. Wiesenthal ist uns vor allem als der erfolgreiche Nazi-Jäger aus Wien bekannt. Nicht so bekannt ist, dass er Überlebender des Holocaust ist. Als er im September letzten Jahres im 97. Lebensjahr starb, hatte er einen beispielhaften Lebensweg hinter sich. Dieser hatte ihn als Kind jüdischer Eltern aus einem galizischen Schtetl über Ghettos und mehrere Konzentrationslager bis in sein Dokumentationszentrum in Wien geführt und zum berühmten Nazi-Jäger und zu einem Mann der Geschichte gemacht.

In dieser Ausstellung werden 25 Opfer des Nationalsozialismus aus Koblenz und Umgebung porträtiert. Sie kommen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten und aus den verschiedensten politischen Parteien. Sie sind Kommunisten, aber auch SPD-Leute, Gewerkschafter, Zentrum- und CDU-Männer und Frauen, katholische Priester, Juden, Sinti, Bürgerliche, Menschen aus dem Volk. 12. dieser Porträts habe ich speziell für diese Ausstellung neu bearbeitet. Beispielhaft möchte ich diese 12 NS-Opfer erwähnen:
Ernst Buschmann
Wilhelm Guske
Maria Detzel
Heinrich Roth
Friedrich Wolf
Ernst Biesten
Wilhelm Rott
Alphonse Kahn
Carl Vollmerhaus
Helene Rothländer
Alfred Knieper
Rudolf Steinwand

Soweit, meine Damen und Herren, die zwölf neuen Tafeln von NS-Opfern aus Koblenz, die wir hier in dieser Ausstellung zeigen. 13 weitere Schicksale werden ebenfalls porträtiert. Für alle 25 Opfer des Nationalsozialismus aus Koblenz und Umgebung bitte ich um Ihre Aufmerksamkeit.

Haben Sie vielen Dank für Ihr Interesse.

 

Diese Ausstellung war wieder eingebunden in eine Reihe von Veranstaltungen, in die Gedenkveranstaltungen (Statio und Gedenkstunde) am 27. Januar selbst, und ergänzt durch ein Begleitprogramm.

Lesen Sie HIER den Vorbericht zu den Veranstaltungen im „Koblenzer Schängel -LokalAnzeiger“ vom 18. Januar 2006

Am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, am 27. Januar, fanden wieder die Statio am Mahnmal und die Gedenkstunde mit christlich-jüdischem Gebet in der Christuskirche statt. Anschließend gab es Gelegenheit zum Besuch der Ausstellung im Bischöflichen Cusanus-Gymnasium. Die Ausstellung wurde dann noch einige Zeit gezeigt und war dann auch Anlass für Schulen und Schüler, an die NS-Opfer zu erinnern.

Lesen Sie HIER das Programm zu den Gedenkveranstaltungen am 27. Januar 2006.

und HIER den Artikel in der Rhein-Zeitung vom 28. Januar 2006.

Am 31. Januar 2006 hielt die Marienschwester M. Pia Buesge von der Schönstatt-Bewegung im Beiprogramm zu der Ausstellung im Bischöflichen Cusanus-Gymnasium einen Vortrag über den Gründer der Schönstatt-Bewegung P. Josef Kentenich.

Lesen Sie HIER den Internetbericht der Schönstatt-Bewegung über diese Veranstaltung.

 

Unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig gab zu dem Vortrag von Schwester M. Pia Buesge.

Lesen Sie nachfolgend die Einführung von Joachim Hennig zum Vortrag über P. Josef Kentenich.

 

Einführung zum Vortrag von Sr. M. Pia

am 31. Januar 2006 im Bischöflichen Cusanus-Gymnasium


Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie heute hier im Bischöflichen Cusanus-Gymnasium zu einer Begleitveranstaltung zur Ausstellung „’Wir können nur vorwärts, denn hinter uns ist der Tod.’ – NS-Opfer aus der Region Koblenz und Neuanfang vor 60 Jahren“ begrüßen zu können. Der Abend ist dem Gründer der Schönstatt-Bewegung, Pater Josef Kentenich, gewidmet. Beginnen wird die Veranstaltung Schwester Maria Pia Buesge vom Säkularinstitut der Schönstätter Marienschwestern mit einem Vortrag über Pater Josef Kentenich. Schwester Pia Buesge – ich freue mich sehr, dass wir Sie zu diesem Vortrag gewinnen konnten und möchte Sie allen Anwesenden hier vorstellen. Schwester Pia, Sie sind aber nicht allein gekommen. Sehr herzlich begrüßen möchte ich auch Ihre Mitschwestern: Schwester Maarin, Schwester Patricia und Schwester Franzin-Marie. Schwester Franzin-Marie betreut den Bücherstand, auch dafür herzlichen Dank. Ich hoffe, dass der Büchertisch Ihr Interesse findet und Sie das eine oder andere Buch – nach einer angemessenen Spende – für die Schönstätter mit nach Hause nehmen und es einen Widerhall in Ihnen hervorruft.

Schon öfter haben Sie, liebe Schwester Pia, die Veranstaltungen des Fördervereins Mahnmal Koblenz besucht. Aber es ist das erste Mal, dass Sie bei uns einen Vortrag halten. Und dabei sind Sie – nicht nur, aber auch – seit Jahren der Gedenkarbeit in Koblenz verbunden. Wir kennen uns, Schwester Pia, seit etwa acht Jahren. Damals habe ich für meinen Aufsatz über „Verfolgung und Widerstand in Koblenz 1933 – 1945“ Bildmaterial über das Koblenzer Gefängnis, das Karmelitergefängnis, und über das Gestapogebäude gesucht. Die Spur für dieses Material führte mich nach Schönstatt. Als ich dort beim Pförtner anrief, war man mit meinem Anliegen etwas hilflos. In dieser Situation verließen Sie, liebe Schwester Pia, gerade das Mutterhaus und die Schwester am anderen Ende der Leitung brachte Sie ans Telefon. So lernten wir uns kennen. Das erste Resultat unserer Bekanntschaft war, dass Sie mir mehrere sehr gute und wichtige Fotografien über Stätten der Verfolgung in Koblenz zur Verfügung stellten, die ich nirgendwo anders als nur bei Ihnen in Schönstatt bekommen konnte. In der Folgezeit sind Sie, liebe Schwester Pia, der Gedenkarbeit in Koblenz verbunden geblieben und haben mich gerade am Anfang, als es sehr schwer war für mich, diese Arbeit zu leisten, immer wieder unterstützt und bestärkt. Dafür möchte ich Ihnen an dieser Stelle meinen ganz herzlichen Dank sagen. Ich hoffe sehr, Sie sind mit dem Ergebnis der Gedenkarbeit, wie Sie es auch hier in der Ausstellung im Bischöflichen Cusanus-Gymnasium sehen können, zufrieden.

Dass wir uns, liebe Schwester Pia, über die Gedenkarbeit in Koblenz und Umgebung kennen gelernt haben, war natürlich kein Zufall. Es war auch von daher kein Zufall, weil die Schönstatt-Bewegung schon relativ früh die Zeit des Nationalsozialismus in Koblenz aufzuarbeiten begonnen hatte. Wenn ich es richtig sehe, haben sich die Schönstätter schon sehr bald nach dem Tod Pater Josef Kentenichs im September 1968 mit seiner Lebensgeschichte, mit der Zeit seiner Verfolgung und damit notwendigerweise auch mit seiner Verfolgung hier in Koblenz und mit den Stätten der Verfolgung in Koblenz beschäftigt. Das war – ausgehend von dem Gründer Ihrer Bewegung – Pionierarbeit für Koblenz. Erst etwa zehn Jahre später begann Frau Hildburg-Helene Thill mit ihrer grundlegenden Arbeit über die „Lebensbilder Koblenzer Juden“. Ihr folgte etwas später Elmar Ries. Meine eigenen Arbeiten begannen dann erst wiederum zehn Jahre später. Sie von der Schönstatt-Bewegung sind uns in der Gedenkarbeit also zeitlich viel voraus. Zeitlich weit voraus sind Sie uns auch bei den Publikationen zur Gedenkarbeit. Ein beredtes Zeugnis dafür ist der Büchertisch, den Sie freundlicherweise für uns hier aufgebaut haben. Seit langem gibt es ausführliche Lebensbeschreibungen von Schönstättern, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Neben Pater Kentenich möchte ich nur die Namen Pater Franz Reinisch, Pater Albert Eise und Charlotte Holubars erwähnen. Die Schönstätter waren es auch, die – wenn ich das richtig sehe – als zweite eine sichtbare Erinnerung an NS-Opfer schufen. Denn nach dem im Jahr 1947 auf dem jüdischen Friedhof errichteten Gedenkstein für die jüdischen Opfer haben Sie – wohl in den 70er Jahren – an der Rückseite des BWB-Bürohauses in der Karmeliterstraße/Ecke Rheinstraße ein Relief für Pater Kentenich angebracht. Erst 20 Jahre später wurde dann der Gedenkstein für die Koblenzer Sinti in den Anlage am Deutschen Eck errichtet und dann noch einmal fünf Jahre später das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Reichensperger Platz eingeweiht.

Wir vom Förderverein Mahnmal Koblenz sind sehr froh, nunmehr ein Mahnmal für alle Opfer des Nationalsozialismus aus Koblenz und Umgebung und auch eine Ausstellung über diese NS-Opfer zu haben und präsentieren zu können. Dabei soll – bei aller Verschieden- und Eigenheit – das Gemeinsame und Verbindende dieser Opfer herausgestellt werden: Dass sie aus den verschieden-sten Gründen Widerstand gegen den Nationalsozialismus leiste-ten, oder widerständig oder ihm gegenüber resistent waren und sich – soweit sie dieses Terrorregime überlebten – für einen politischen, kulturellen, gesellschaftlichen und religiösen Neuanfang nach 1945 engagierten. Deshalb freue ich mich, dass wir in unserer Ausstellung über Opfer des Nationalsozialismus als einen der ersten Pater Josef Kentenich porträtieren. Ich bin sicher, dass Sie, liebe Schwester Pia, dieses Bild von Pater Kentenich weiter abrunden. Deshalb möchte ich Sie jetzt bitten, zu uns zu sprechen.

Schwester Pia, ich möchte Ihnen sehr herzlich für Ihren sehr anschaulichen und lebendigen Vortrag über Pater Kentenich und den Film danken. Ich denke ich spreche für alle Anwesenden, wenn ich sage, Sie haben uns diese sehr interessante Persönlichkeit ein gutes Stück näher gebracht. Sie haben sicherlich den einen oder anderen auch neugierig gemacht, noch mehr über Pater Josef Kentenich und die von ihm gegründete Schönstatt-Bewegung zu erfahren. Vielen von uns ist Schönstatt ja wohl bekannt. Die Schönstätter tun viel für die religiöse Erziehung. Ich denke dabei nur an die Schule der Schönstätter Marienschwestern und an die „10 Minuten an der Krippe“. Sehr eindrucksvoll ist das Pater-Kentenich-Haus hoch über Vallendar. Dort findet man auch Dokumente über die Verfolgung der Schönstatt-Bewegung in der NS-Zeit und über Pater Kentenichs Haft in Koblenz. Wer neugierig geworden ist, den möchte ich den Büchertisch noch einmal anempfehlen. Dort finden Sie auch Faltblätter, die Sie gern mitnehmen können.

Ich frage mich jetzt, ob wir nach diesem dichten Programm uns noch auf eine Diskussion einlassen sollen. Eine Diskussion kann eine interessante Vertiefung und Erweiterung des Gehörten und des Gesehenen bringen. Sie kann aber auch viel zerreden. Deshalb meine Frage und der Blick in die Runde: Wir haben hier vier Schönstatt-Schwestern unter uns. So oft hat man nicht Gelegenheit, zumal nach einem so interessanten Vortrag und so einem ebensolchen Film etwas über Pater Josef Kentenich und die Schönstatt-Bewegung zu erfahren. Haben Sie noch Lust mit den vier Schwestern zu diskutieren?

 

 

 

 

Vortrag unseres stellvertretenden Vorsitzenden Joachim Hennig in der ehemaligen Synagoge Saffig.

Auf Einladung des Förderkreises ehemalige Synagoge Saffig hielt unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig zur Woche der Brüderlichkeit am 10. März 2006 einen Vortrag in der ehemaligen Synagoge Saffig mit dem Thema: Die Juristenfamilie Brasch.

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