Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2007

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Im Jahr 2007, in dem unser Förderverein auf sein 10-jähriges Bestehen zurückblicken konnte, war unser Verein gleich an zwei Städten präsent: in Koblenz mit den inzwischen schon Tradition gewordenen Veranstaltungen am 27. Januar und in Mainz mit der Präsentation seiner Ausstellung im Landtag.

Dementsprechend war unser Förderverein mit seinen Veranstaltungen in der Broschüre des Landtags zu den „Veranstaltungen zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ auch zweimal vertreten: einmal bei den Veranstaltungen in Mainz und einmal bei den Veranstaltungen in Koblenz.

HIER ein Screenshot der Webseite des Landtags

Lesen Sie HIER die Broschüre des Landtags zu den Veranstaltungen zum 27. Januar 2007.


Die Gedenkveranstaltungen zum 27. Januar 2007 in Koblenz

Die Gedenkveranstaltungen zum 27. Januar 2007 in Koblenz begannen mit der erstmaligen Verlegung von “Stolpersteinen” durch den Künstler Gunter Demning. Daran schloss sich die schon traditionelle Statio am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus aus Koblenz an . Besonders erinnert wurde diesmal an das Schicksal der NS-Opfer, für die zuvor die “Stolpersteine” verlegt wurden.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Gedenkstunde mit christlich-jüdischem Gebet in der Liebfrauenkirche
 

Im Mittelpunkt der Veranstaltungen zum 27. Januar 2007 stand die erstmalige Verlegung von „Stolpersteinen“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig in Koblenz.

Damit führte eine längere Diskussion über das Für und Wider dieser „Stolpersteine“ und die Vorbereitung der Aktion zu einem guten Ende. Auf Anregung des Kulturdezernenten Detlev Knopp übernahm die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit und mit Unterstützung unseres Fördervereins die Organisation dieser und dann auch weiterer Verlegungen.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt kleine Gedenkplatten für Koblenzer, die von den Nazis getötet wurden.Sie erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus: Stolpersteine, die der Kölner Künstler Gunter Demnig seit sieben Jahren auf deutschen Straßen verlegt. In Rheinland-Pfalz gibt es Stolpersteine unter anderem in Neuwied, Trier und Bingen. Am kommenden Samstag, 27.Januar, wird Gunter Demnig nun auch in Koblenz Gedenksteine verlegen, und zwar vor den Häusern, in denen die Ermordeten zuletzt gewohnt haben.

Schon um 9.30 Uhr begann die Stolperstein-Verlegung. Bis um 16.00 Uhr wurden insgesamt 19 Stolpersteine im Stadtgebiet von Koblenz verlegt. Die 19 Stolpersteine, die neben den jüdischen Opfern auch an zwei politisch Verfolgte, eine Zwangsarbeiterin und ein Euthanasie-Opfer erinnern, verteilen sich dabei auf zehn Punkte im Stadtgebiet. „Wir waren bei dieser erstmaligen Verlegung bemüht, die Opfergruppen möglichst umfassend zu dokumentieren, sodass nur ein Teil der 19 Steine den jüdischen Opfern gewidmet ist“, sagt Hans-Peter Kreutz, Geschäftsführer der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit, die die Koordination für dieses Projekt übernommen hat. Finanziert wird die Aktion Stolpersteine dabei ausschließlich aus Spenden. Für 95 Euro kann man die Patenschaft für einen Stein erwerben: Bislang sind insgesamt rund 3000 Euro an Spenden für das Erinnerungsprojekt eingegangenen, sodass insgesamt rund 30 Steine verlegt werden können. „Wir haben mit Gunter Demnig deshalb auch schon einen zweiten Termin vereinbart“, sagt Hans-Peter Kreutz. Bei der Auswahl der Opfer, derer mit den 19 StoIpersteinen gedacht wird, wurden dabei besonders Initiativen berücksichtigt, die sich um dieses Erinnerungsprojekt früher schon bemüht hatten, wie die Fördervereine „ Schönes Immendorf“ und „Heimatfreunde Güls“ sowie das Eichendorff-Gymnasium. Gewidmet sind die Gedenksteine dem in Sobibor ermordeten Ehepaar Hermann und ihrer Tochter Hannelore, die in der Johannes-Müller-Straße in der Südlichen Vorstadt lebten, den vier Geschwister Michel aus Immendorf, dem Ehepaar Kahn aus der Rizzastraße, dem Ehepaar Treidel aus der Mainzer Straße, Bert Schönewald aus der Bahnhofstraße, dem von der Gestap 1937 zu Tode gefolterten jüdischen Hotelbesitzer Adolf Appel und den in Sobibor ermordeten Eheleuten Wolff aus der Gulisastraße in Güls.
 
Zu der Verlegung gekommen waren dabei auch Angehörige der Ermordeten. „Auch wenn es für mich nicht leicht ist, hier zu sein, ist es doch gleichzeitig auch eine Genugtuung, zu sehen, dass man die Opfer nicht vergessen hat“, sagte Werner Appel bei der Verlegung der Gedenktafel für seinen ermordeten Vater Adolf Appel am Kastorhof 4. Der jüdische Hotelbesitzer war Mitte der 30er-Jahre an den Folgen der Folter gestorben, die er im Gestapo-Gefängnis erlitten hatte.


Ebenfalls anwesend war auch Jeremy Kahn, Enkel von Wilhelm Kahn und Jenny Kahn, die 1942 in Sobibor ermordet wurden. Wilhelm Kahn, der im Ersten Weltkrieg bei Verdun schwer verwundet wurde und das Eiserne Kreuz verliehen bekam, betrieb in Koblenz eine Mehlgroßhandlung, die er allerdings 1935 aufgeben musste, weil sich die Bäcker ob des Drucks nicht mehr trauten, bei einem Juden Mehl einzukaufen.
„Ich bin sehr erfreut, dass jetzt eine Gedenktafel an meine Großeltern erinnert“, sagte der in London lebende Jeremy Kahn. Sein Vater, Rudi Kahn, war 1939 zusammen mit seiner Schwester Margot mit einem der letzten Kindertransporte ausländischer Hilfskomitees nach England gebracht worden.

 
Neben den jüdischen Opfern werden am 27. Januar auch Gedenksteine gelegt für die 1942 hingerichteten kommunistischen Widerstandskämpfer Andreas und Anneliese Hoevel (Trierer Straße in Metternich), den Tapezierer Carl Heinrich Spiegel (Pfuhlgasse in der Altstadt), der 1942 in der Heilanstalt Hadamar erordet wurde, und die auf der Karthause lebende ukrainische Zwangsarbeiterin Lydia Gritzenko, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde.
 

 
 


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Mittlerweile gibt es sie in mehr als 200 Städten und Gemeinden: Stolpersteine, die im Straßenpflaster an die Opfer des NS-Regimes erinnern. An diesem Wochenende verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig 19 Gedenkplatten in Koblenz, und zwar vor den Häusern, in denen die Ermordeten zuletzt lebten.

KOBLENZ. Sie erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus in einer ganz speziellen Form: die Stolpersteine. Denn anders als bei vielen eher anonymen Mahnmalen gedenken die Stolpersteine der Opfer in deren direktem Wohnumfeld. An diesem Wochenende verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig 19 Gedenksteine im Koblenzer Straßenpflaster. 15 der 10 mal 10 Zentimeter großen Messingplatten erinnern an jüdische Opfer, zwei an politische Verfolgte sowie eine an eine ukrainische Zwangsarbeiterin und eine an ein Opfer der "Euthanasie“.
Zu der Verlegung gekommen waren dabei auch Angehörige der Ermordeten. „Auch wenn es für mich nicht leicht ist, hier zu sein, ist es doch gleichzeitig auch eine Genugtuung, zu sehen, dass man die Opfer nicht vergessen hat“, sagte Werner Appel bei der Verlegung der Gedenktafel für seinen ermordeten Vater Adolf Appel am Kastorhof 4. Der jüdische Hotelbesitzer war Mitte der 30er-Jahre an den Folgen der Folter gestorben, die er im Gestapo-Gefängnis erlitten hatte.
Ebenfalls anwesend war auch Jeremy Kahn, Enkel von Wilhelm Kahn und Jenny Kahn, die 1942 in Sobibor ermordet wurden. Wilhelm Kahn, der im Ersten Weltkrieg bei Verdun schwer verwundet wurde und das Eiserne Kreuz verliehen bekam, betrieb in Koblenz eine Mehlgroßhandlung, die er allerdings 1935 aufgeben musste, weil sich die Bäcker ob des Drucks nicht mehr trauten, bei einem Juden Mehl einzukaufen.
„Ich bin sehr erfreut, dass jetzt eine Gedenktafel an meine Großeltern erinnert“, sagte der in London lebende Jeremy Kahn. Sein Vater, Rudi Kahn, war 1939 zusammen mit seiner Schwester Margot mit einem der letzten Kindertransporte ausländischer Hilfskomitees nach England gebracht worden.
Den Abschluss der Verlegung der Stolpersteine bildete eine Gedenkfeier am Mahnmal am Reichensperger Platz und eine Gedenkstunde in der Liebfrauenkirche. Mehrere Schüler der 10. Klasse der Diesterweg-Schule befestigten unter anderem eine Rose für jedes der 19 Opfer an dem Mahnmal.
Oberbürgermeister Dr. Eberhard Schulte-Wissermann betonte, dass das Gedenken an die Opfer uns auch ermahnen müsse, wachsam zu sein gegenüber aktuellen Formen des Rechtsextremismus. Hans-Peter Kreutz, Geschäftsführer der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit, die die Koordination für dieses Projekt übernommen hat, hob nochmals das Besondere der Aktion Stolpersteine hervor. Es ist eine Erinnerung, die dem Schicksal der Menschen eine Identität verleiht“, erklärte Kreutz. Beschlossen wurde die Gedenkfeier, die gleichzeitig auch an die Befreiung des KZ Auschwitz vor 62 Jahren erinnerte, mit einem christlich-jüdischen Gebet, das Superintendent Dr. Markus Dröge, Pfarrer Helmut Kusche, Ralf Staymann, Pfarrer der alt-katholischen Gemeinde, und Szyja Toper von der jüdischen Kultusgemeinde sprachen. Peter Karges

Quelle: Rhein-Zeitung vom 29. Januar 2007
 

Wenn Sie an weiteren Informationen über Stolpersteine in Koblenz interessiert sind, lesen Sie HIER über Stolpersteine in Koblenz.

Im Anschluss an die Stolperstein-Verlegung fanden die beiden schon traditionellen Veranstaltungen unseres Fördervereins statt: die Statio am Mahnmal, mit der an diesem 27. Januar besonders der NS-Opfer aus Koblenz gedacht wurde, für die zuvor Stolpersteine verlegt wurden, und die Gedenkstunde mit christlich-jüdischem Gebet, diesmal in der Liebfrauenkirche.

Lesen Sie HIER das Programm zu den Veranstaltungen am 27. Januar 2007

Oberbürgermeister Dr. Eberhard Schulte-Wissermann betonte in seiner Ansprache in der Liebfrauenkirche, dass das Gedenken an die Opfer uns auch ermahnen müsse, wachsam zu sein gegenüber aktuellen Formen des Rechtsextremismus. Hans-Peter Kreutz, Geschäftsführer der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit, die die Koordination für dieses Projekt übernommen hat, hob nochmals das Besondere der Aktion Stolpersteine hervor. Es ist eine Erinnerung, die dem Schicksal der Menschen eine Identität verleiht“, erklärte Kreutz. Schülerinnen und Schüler der Overbergschule erinnerten mit gespielten Szenen aus dem von Django Reinhardt und Ralf Ferber erarbeiteten Musiktheater „Von gelben Sternen und schwarzen Augen“ an die Verfolgung der Juden und Sinti in der NS-Zeit und warben für Toleranz und Menschenfreundlichkeit.

Beschlossen wurde die Gedenkfeier mit einem christlich-jüdischen Gebet, das Superintendent Dr. Markus Dröge (Evangelische Kirche), Pfarrer Helmut Kusche (Katholische Kirche), Pfarrer Ralf Staymann (Alt-katholische Kirche), und Szyja Toper von der jüdischen Kultusgemeinde sprachen.

Oberbürgermeister Dr. Eberhard Schulte-Wissermann bei seiner Ansprache.

 

Hans-Peter Kreutz bei seiner Ansprache.

 

Szene aus dem Musiktheater „Von gelben Sternen und schwarzen Augen“.

 

Die Musiker des Musiktheaters (von links): Ralf Ferber, Marlon Reinhardt.

 

Die vier Geistlichen (von links nach rechts): Pfarrer Ralf Staymann (Alt-katholische Kirche),
Superintendent Dr. Markus Dröge (Evangelische Kirche),
Rabbiner Szyia Toper (Jüdische Kultusgemeinde) und Pfarrer Helmut Kusche (Katholische Kirche).

Die vier Geistlichen beim christlich-jüdischen Gebet.

Die Kirchenbank links (von rechts nach links): Frau Gunhild Schulte-Wissermann, Waltraut Reinhardt, Daweli Reinhardt,
Oberbürgermeister Dr. Eberhard Schulte-Wissermann, Vorsitzender unseres Vereines Kalle Grundmann.

 

 

 

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