Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Programm zur Eröffnung der Ausstellung „"Erinnerung bewahren"

Sklaven- und Zwangsarbeiter des Dritten Reiches aus Polen 1939 - 1945“ am 13. Januar 2011 im Historischen Rathaussaal in Koblenz

Begrüßungen
Oberbürgermeister der Stadt Koblenz Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig
Stellvertr. Vorsitzender des Fördervereins Mahnmal Koblenz Joachim Hennig


Musik
Kazimierz Dawidek (Oboe)
Glissbigiando per oboe e nastro (von Anna Zawadzka-Golosz, *1956)


Grußworte
Staatsminister der Justiz Dr. Heinz Georg Bamberger
Polnische Generalkonsulin Frau Jolanta Roza Kozlowska


Einführung in die Ausstellung

Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“ Dariusz Pawlos


Musik
Kazimierz Dawidek (Oboe):
„Serpentine“ for oboe solo (von Krystyna Moszumanska-Nazar (1927 – 2008)


Anschließend führt Herr Jakub Deka von der Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“ durch die Ausstellung



Die von der Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“ und dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit vorbereitete Ausstellung zeigt das in der deutschen Gesellschaft wenig bekannte Bild der deutschen Besatzungspolitik gegenüber polnischen Bürgern. Die Ausstellung beinhaltet die wichtigsten Informationen, Zahlen und Fakten zu Sklaven- und Zwangsarbeit, zu Konzentrationslagern, zur Vernichtung der jüdischen Bevölkerung, zu Gefängnissen und Straflagern, zu Aussiedlungen und Germanisierung. Die präsentierten Fotografien und Dokumente sowie Briefe aus den Lagern bringen uns das Schicksal von konkreten Menschen und die Tragödie ganzer Familien näher. Wir finden hier Fotos und Briefe von Überlebenden und von denjenigen, die niemals zurückgekehrt sind, darunter – wohl die erschütternsten – Briefe von Kindern an ihre Eltern. Verordnungen und Bekanntmachungen der Besatzungsbehörden, Informationen über Schikanen und Strafen, Bekanntmachungen über Massenexekutionen zeugen von der Brutalität der Besatzungspolitik gegenüber polnischer Zivilbevölkerung.

Als Motto der Ausstellung gelten die Worte, die in das Denkmal für die Opfer des NS-Jugendverwahrlagers in Lodz eingemeißelt sind: „Man hat Euch das Leben genommen, heute schenken wir Euch einzig unsere Erinnerung.“

Die Idee dieser Ausstellung entstand aus dem Gefühl einer gemeinsamen Verantwortung für die Zukunft. Deswegen möchte ich an dieser Stelle meine Worte wiederholen, die ich zum Anlass des 60. Jahrestages der Befreiung vom KZ Auschwitz-Birkenau, am 27. Januar 2005, gesagt habe. Ich habe damals meine Zuversicht geäußert, dass die letzten noch lebenden KZ-Häftlinge das Recht zu glauben haben, dass ihr Leid und der Tod ihrer Nächsten einen bedeutenden Sinn für eine bessere Zukunft aller Menschen in Europa und sogar auf der Welt hatten, ungeachtet ihrer Herkunft oder Religion.

Wladyslaw Bartoszewski
(*1922, polnischer Widerstandskämpfer, Retter vieler Juden, Häftling des KZ Auschwitz, Historiker, Publizist, Politiker, zweimaliger Außenminister, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“, seit 2007 Staatssekretär und außenpolitischer Berater des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk, besonders hinsichtlich der polnisch-deutschen und polnisch-jüdischen Beziehungen)

Im Jahr 2009 sagte er:
Wenn mir jemand, vor 60 Jahren, als ich geduckt auf dem Appellplatz des KZ Auschwitz stand, gesagt hätte, dass ich Deutsche, Bürger eines demokratischen und befreundeten Landes als Freunde haben werde, würde ich ihn für einen Narren halten.

 

Eröffnung der Ausstellung
„Erinnerung bewahren – Sklaven- und Zwangsarbeiter des Dritten Reiches aus Polen 1939 - 1945“


Am 13. Januar 2011 wurde im Historischen Rathaussaal in Koblenz die Ausstellung eröffnet.
In seiner Begrüßung sprach der Oberbürgermeister der Stadt Koblenz Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig davon, dass die Ausstellung dazu beitragen soll, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und an die Verbrechen des „Dritten Reiches“ zu bewahren. Nur so könne es eine gemeinsame Zukunft zwischen den Nachbarn Deutschland und Polen geben. Er ging auch darauf ein, dass er selbst schon zu der Nachkriegsgeneration gehöre. Das sei aber kein Grund, nicht die Erinnerung an das schreckliche Leid aufrecht zu erhalten, das die Nazis und ihre Helfer über fast ganz Europa gebracht hätten.

Von links:
Dr. Heinz Georg Bamberger, Prof. Dr. Hofmann-Göttig, J. Hennig, Dariusz Pawlos

Danach begrüßte der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz Joachim Hennig die Gäste und erläuterte kurz die wichtige Aufgabe der Erinnerungsarbeit.
Am Anschluss daran bot der Koblenzer Musiker Kazimierz Dawidek ein virtuoses Stück für Solooboe der zeitgenössischen polnischen Komponistin Anna Zawadzka-Golosz.
Justizminister Dr. Heinz Georg Bamberger erinnerte eindringlich daran, dass in der NS-Zeit drei Millionen Polen aus ihrer Heimat verschleppt wurden, die meisten zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich. Dazu führten die Deutschen bereits Ende Oktober 1939 in Polen die Arbeitspflicht ein. Von dieser Zwangsarbeit hätten besonders die deutschen Betriebe und Konzerne profitiert. Bamberger erinnerte auch an die Feststellung von Fritz Stern, wie sehr es schmerze, dass so viele Menschen so viel Unrecht schweigend akzeptiert hätten.

Auch ging er auf die Rolle der Justiz im Nationalsozialismus ein. Versöhnlich konnte er aus seiner eigenen Familie aber feststellen, dass ein polnischer Zwangsarbeiter im Odenwald nach dem Krieg in Deutschland blieb.
Danach sprach Konsul Piotr Piotrowski vom Generalkonsulat der Republik Polen in Köln ein Grußwort. Insbesondere bedankte er sich für die in Koblenz bisher schon geleistete Arbeit zur Erinnerung und zur Versöhnung zwischen den Menschen beider Völker.

Sodann gab der Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“

Dariusz Pawlos eine kurze Einführung in die Arbeit der Stiftung und in die von ihr erarbeitete Ausstellung. Dabei stellte er als Aufgabe der Stiftung insbesondere heraus, die letzten überlebenden Opfer der NS-Diktatur in Polen in der Bewältigung ihres Alltages zu unterstützen. Sie hätten die besten Jahre ihres Lebens durch die Sklaven- und Zwangsarbeit für die Nazis verloren – nur wenige hätten das „Glück“ gehabt, als Menschen behandelt zu werden. Diese NS-Opfern sollten wenigstens jetzt im hohen Alter in ihrem Lebenswillen wenn auch nur punktuell und symbolisch gestärkt werden. Abschließend bedankte sich Herr Pawlos ausdrücklich bei Herrn Hennig für die sehr gute Zusammenarbeit.

Zum Abschluss dieser sehr würdigen Veranstaltung trug Herr Kazimierz Dawidek das Stück „Serpentine“ for oboe solo der polnischen Komponistin Krystyna Moszumanska-Nazar vor. Er setzte damit einen ganz außergewöhnlichen Akzent und stimmte die Zuhörer in ganz beeindruckender Weise auf die Thematik der Ausstellung ein.

Noch bewegt von diesem zeitgenössischen Klangstück führte Herr Jakub Deka von der Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“ zahlreiche Besucher durch die Ausstellung „Erinnerung bewahren – Sklaven- und Zwangsarbeiter des Dritten Reiches aus Polen 1939 – 1945“.

Dabei erläuterte er den Aufbau und die Schwerpunkte der Ausstellung, die bis zum 06. Februar 2011 im Rathaus Koblenz am Jesuitenplatz (Eingang Tourist-Information) zu sehen ist.

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag von 08.00 bis 17.30 Uhr
Freitag von 08.00 bis 15.30 Uhr



von links:
Piotr Piotrowski, Dariusz Pawlos, Dr. Heinz Georg Bamberger, Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig


von links: Vorstandsmitglied Alexander Wolff, der Oboist Kazimierz Dawidek, Joachim Hennig


Bürgerbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz Dieter Burgard (links) im Gespräch mit Konsul Piotr Piotrowski


Bericht/Fotos: Bodo Zielinski

 

nach oben