Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Verleihung des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Werner Appel

Ende März 2011 erhielt unser Mitglied Werner Appel den Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland für seine langjährige Gedenkarbeit verliehen. Das mit ihm befreundete Ehepaar Bodo und Gertrud Zielinski war bei der Überreichung der Auszeichnung mit dabei und Bodo Zielinski hat uns dazu den nachfolgenden Bericht übermittelt:

Am 29.03.2011 fand im Rahmen einer kleinen Feierstunde die Überreichung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
an Herrn Werner Appel durch den Staatssekretär Michael Ebling des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur statt.
Als Gäste waren anwesend die beiden Schwestern des Geehrten Ruth und Marlene, der Kulturdezernent der Stadt Koblenz Detlev Knopp, der Vorsitzende der christlich-jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit Koblenz Hans Werner Schlenzig, der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz Joachim Hennig mit Frau Ursula und Bodo und Gertrud Zielinski vom Förderverein Mahnmal.


Staatssekretär Ebling betonte, dass Werner Appel für sein herausragendes Engagement das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen bekommt.
Durch sein unermüdliches Engagement, als Zeitzeuge über seine Erfahrungen während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland zu berichten, hat er sich besondere Verdienste erworben.
Am Anfang dieses Engagements stand der Beitritt zur Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit e.V. in Koblenz Mitte der 90er Jahre. Ausgehend hiervon und von den regelmäßigen „Heimatbesuchen“, die ehemalige jüdische Koblenzerinnen und Koblenzer zu Begegnungen in seine ehemalige Heimatstadt führt, ist sein Anliegen, seine Lebensgeschichte anderen mitzuteilen und durch diese Schilderungen für Verständigung, Toleranz, Demokratie und Frieden zu werben.
2004 dokumentierte Frau Muth seine Lebensgeschichte in dem Buch „Versteckte Kinder – Trauma und Überleben der `Hidden Children` im Nationalsozialismus“.
Der Staatssekretär war von diesen Schilderungen beeindruckt und sagte:
„Ihr Schicksal verdeutlicht exemplarisch die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus, insbesondere aber seine Auswirkungen auf das alltägliche Leben einer jüdischen Familie in Koblenz. Sie erzählen diese Geschichte aus der Sicht eines Kindes bzw. eines Jugendlichen. Auf welch abenteuerliche Weise es Ihnen, ihrer Mutter und ihren Schwestern unter Mithilfe mutiger Menschen damals gelungen ist, den Verfolgungen der Gestapo und der Polizei zu entgehen, ist tief beeindruckend.“

In den nachfolgenden Jahren war Werner Appel immer wieder als Zeitzeuge aktiv. Er wirkte unter anderem in zahlreichen Veranstaltungen mit, die besonders junge Menschen ansprachen. Er wirkte in Schulen, Ausstellungen und auch im Rahmen des Begleitprogramms der vom Förderverein Mahnmal organisierten Ausstellung „Vergessen heißt Verbannung. Erinnern ist der Pfad der Erlösung“ im Oberlandesgericht Koblenz und als der „Zug der Erinnerung“ 2009 in Koblenz Station machte, stand er für ein Zeitzeugengespräch für junge Menschen zur Verfügung.
Auch für die Veranstaltungen der Landeszentrale für politische Bildung hat er sich eingebracht, vor jungen Studienreferendaren gesprochen und 2010 an einer großen Fortbildungsveranstaltung des Ministeriums für Justiz für Richter und Staatsanwälte zum Thema „Justiz und Recht im Dritten Reich“ referiert.
Herr Ebling sagte zum Abschluss unter anderem:
“Es ist mir ein großes Bedürfnis, Ihnen dafür meinen herzlichen Dank auszusprechen. Die Arbeit als Zeitzeuge und speziell Kindern und Jugendlichen von heute Einblicke in das System der Nationalsozialisten zu geben, ist eine ungemein wichtige Tätigkeit.“

Auch von unserem Förderverein herzlichen Glückwunsch an Dich, lieber Werner Appel, für Dein großes Engagement. Gern denken wir an die Zeitzeugengespräche mit Dir zurück und vor allem an den Film "Werner Appel – Jüdisches Leben und Überleben in Koblenz 1933 – 1945", den wir im Sommer 2009 mit Dir und Schülerinnen der Julius-Wegeler-Schule an den Stätten Deiner Kindheit und Jugend in Koblenz gedreht haben. Mögest Du und möge dieser einstündige Dokumentarfilm noch lange und eindringlich von Deinem Leben und Überleben in der NS-Zeit in Koblenz berichten!

 

 V.l.n.r.: Ruth Homrighausen, Staatssekretär Michael Ebling, Werner Appel, Marlene Berger

 

Lesen Sie auch die Presseerklärung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur:

Ebling überreicht Bundesverdienstkreuz an Werner Appel


Für seinen außerordentlichen Einsatz um die Gedenkarbeit an die Opfer des Nationalsozialismus hat Bundespräsident Christian Wulff dem in Koblenz geborenen Werner Appel das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Michael Ebling, Staatssekretär im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, überreichte die Auszeichnung im Rahmen einer Feierstunde in Mainz. „Werner Appel hat sich große Verdienste erworben, durch sein unermüdliches Engagement als Zeitzeuge über seine sehr bewegenden Erfahrungen während der Zeit des Nationalsozialismus zu berichten", so Ebling.

Der mittlerweile 82-jährige Werner Appel wurde als Sohn eines jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter in Koblenz geboren. Mit Beginn der NS-Zeit begann für ihn ein langer Leidensweg. Obwohl Werner Appel nur die ersten Jahre seines Lebens in Koblenz verbrachte und heute in Frankfurt lebt, habe er die emotionale Bindung zur Stadt Koblenz nicht verloren. Sein Engagement im Bereich der Gedenkarbeit blieb auch aus diesem Grunde eng mit Koblenz verbunden. So sei er Mitte der 90er Jahre der christlich-jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit e.V. in Koblenz beigetreten, um das gegenseitige Verständnis von Christen und Juden zu fördern.
Darüber hinaus besuche er seit über 10 Jahren regelmäßig das Bischöfliche CusanusGymnasium in Koblenz, um als Zeitzeuge einen unmittelbaren Einblick in das von ihm erinnerte Geschehen zu geben. Ferner sei er Mitglied des Zeitzeugenpools des Pädagogischen Landesinstituts und habe in dieser Eigenschaft viele weitere Schulklassen in Rheinland-Pfalz besucht. „Mit Ihrem Auftreten in Schulen, mit Ihren persönlichen Berichten, wie Sie als Kind und Jugendlicher unter den Nazis gelitten haben, geben Sie der Geschichte ein Gesicht. Begegnungen mit Ihnen werden zu bleibenden Erlebnissen und zu authentischen Lehrstunden für Demokratie und Toleranz", würdigte Ebling. Auch für den Förderverein Mahnmal Koblenz stehe Werner Appel als Zeitzeuge zur Verfügung.
Werner Appel stand ferner auch der Buchautorin Kerstin Muth als Gesprächspartner zur Verfügung. Seine aber auch andere Lebensgeschichten seien in dem Buch „Versteckte Kinder - Trauma und Überlebende der,Hidden Children' im Nationalsozialismus" dokumentiert. Die besondere Lebensgeschichte von Werner Appel sei inzwischen sogar in einem Dokumentarfilm festgehalten. In diesem Film erzähle er Schülerinnen und Schülern aus Koblenz bei einem Gang durch die Stadt, wie er persönlich die Zeit des Nationalsozialismus in Koblenz erlebt habe. Dies sei vor allem auch ein Vermächtnis für die kommenden Generationen, denn Werner Appel sei mittlerweile der einzige noch lebende Jude, der über die NS-Zeit in Koblenz berichten könne.
„Trotz Ihres langen Leidensweges, der Verfolgung und Bedrohung, die Sie erfahren mussten, setzen Sie sich für Verständigung, Toleranz, Demokratie und Frieden ein", würdigte Staatssekretär Michael Ebling und ergänzte: „Ich freue mich sehr, dass Ihre außerordentlichen Verdienste heute mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande gewürdigt werden und dass ich Ihnen diese Auszeichnung übergeben darf."

Auch der Koblenzer Kulturdezernent Detlev Knopp gratulierte Werner Appel zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.

 

Einen Presseartikel der Wochenzeitung Blick-Aktuell vom 2. April 2011 finden Sie HIER

Gedenkfeier zur Erinnerung an die Novemberpogrome 1938

Auch in diesem Jahr fand wieder die christlich-jüdische Gedenkfeier zur Erinnerung an die Novemberpogrome 1938 statt. Wie in den Jahren zuvor wurde sie am Sonntag nach dem 9. November in der Koblenzer Synagoge begangen.

Lesen Sie über die Veranstaltung HIER den Bericht in der Rhein-Zeitung vom 15. November 2011.

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