Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Förderverein Mahnmal Koblenz weiterhin aktiv in der Gedenkarbeit des Landes Rheinland-Pfalz.

Mit der diesjährigen Mitgliederversammlung am 2. April 2011 blickte die Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit im heutigen Rheinland-Pfalz (LAG) auf ihr zehnjähriges Bestehen zurück. In der Gedenkarbeit engagierte Bürger hatten sich am 1. April 2001 in Mainz mit Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz zu einem Dachverband der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zusammengeschlossen. Das Ziel war, noch besser, effektiver und öffentlichkeitswirksamer die Erinnerung an die NS-Opfer wie auch an die NS-Täter sowie an die Stätten der Verfolgung und die NS-Zeit aus der Sicht der Opfer insgesamt in Rheinland-Pfalz wachzuhalten und dieses Wissen an die jüngere Generation weiter zu geben. Wie der "alte" und neue Vorsitzende der LAG, Dieter Burgard, heute Bürgerbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz, mit Befriedigung und Freude feststellte, ist das Konzept der LAG in den zehn Jahren voll und ganz aufgegangen und die Ziele sind zu einem guten Teil bis jetzt erreicht worden. Die LAG ist ein engagierter, kompetenter und gut vernetzter "Arm" in der zivilgesellschaftlichen Gedenkarkeit des Landes Rheinland-Pfalz geworden. Damit das so bleibt und sich weiter entwickelt, hat die Mitgliederversammlung bei den Neuwahlen bewährte "Gedenkarbeiter" in ihren Funktionen bestätigt und neue Beisitzer mit der Vorstandarbeit betraut. Dabei wurde der stellvertretende Vorsitzende des Förderevereins Mahnmal Koblenz Joachim Hennig, der von Beginn an Mitglied des Sprecherrats der LAG ist, als stellvertretender Vorsitzender des Sprecherrats bestätigt.




Der neue Sprecherrat der LAG (von vorn links nach hinten rechts): Joachim Hennig, stellvertretender Vorsitzender, Förderverein Mahnmal Koblenz e.V.; Dieter Burgard, Vorsitzender, Förderverein Dokumentations- und Begegnungsstätte ehemaliges KZ Hinzert; Hans-Eberhard Berkemann, Beisitzer, Förderverein Synagoge Bad Sobernheim e.V.; Renate Rosenau, Beisitzerin, Arbeitskreis NS-Zeit an der Rheinhessen-Fachklinik Alzey; Ramona Dehoff, Beisitzerin, Förderverein Projekt Osthofen e.V.; Joachim Stöckle, Beisitzer, Bezirksverband Pfalz; Eberhard Dittus, Beisitzer, Förderverein Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt/Weinstraße e.V.; Thomas Zuche, Beisitzer, AG Frieden Trier; Christof Pies, Beisitzer, Synagogenverein-Förderverein Laufersweiler/Hunsrück e.V.


Wertvoller Beitrag zu unserer Gesellschaft

Bürgerschaftliches Engagement vor Ort zwingt zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit
In Alzey strahlte die Sonne mit ca. fünfzig GedenkarbeiterInnen aus ganz Rheinland-Pfalz um die Wette. Bei herrlichem Frühlingswetter feierte die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in unserem Bundesland ihr zehnjähriges Jubiläum. Der alte und neue Vorsitzende der LAG, Dieter Burgard – im Hauptberuf Bürgerbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz –, nannte den Zuwachs der Mitgliederorganisationen von 19 im Jahr 2001 auf heute 47 den sichtbaren Ausdruck einer Erfolgsgeschichte. Kontinuierlich und beharrlich hätte die Arbeitsgemeinschaft auf Landesebene an Vorhaben mitgewirkt, die die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachhielten – so etwa die Neufassung des Landesarchivgesetzes, die Errichtung der Gedenkstätte am Ort des ehemaligen KZ Hinzert, die Forschungsgruppe zu Z

wangssterilisationen und Krankenmord, sowie das erste Landestreffen der Stolpersteininitiativen. „Wenn es sie nicht schon gäbe, man müsste diese Landes-AG erfinden“, stellte Burgard mit Genugtuung fest.
Das Hauptreferat der Tagung hielt Dr. Thomas Lutz von der Berliner Stiftung „Topographie des Terrors“. Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen sah er als zwei Säulen der Gedenkarbeit. Gerade die Initiativen hätten sich in den letzten Jahrzehnten durch ortsbezogene Geschichtsvermittlung profiliert. Nach dem schwedischem Motto „Grabe, wo Du stehst“ hätten bürger­schaftlich Engagierte in vielen Orten die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit erzwungen. Dabei erführen sie wachsende Anerkennung als Partner der (Kultur)Politik. Sie leisteten wirkliche Versöhnungsarbeit, indem sie die Erinnerung an „die Anderen“, die Ausgegrenzten und Ausländer(innen) – Zwangs­arbeiter(innen), Kriegsgefangene – wach hielten. Damit hätten sie zur Öffnung unserer Gesellschaft hin zu einem demokratischen und pluralistischen Gemeinwesen beigetragen. Dieses wertvolle Engagement werde leider von der Politik insgesamt noch zu wenig finanziell gefördert.
Zukünftige Aufgaben der Erinnerungsarbeit sah Lutz in dem nötigen Wissenstransfer der älteren, erfahrenen Aktiven hin zur jüngeren Generation und dem vorhandenen Fort- und Weiterbildungsbedarf der Gedenkarbeiter(innen). Auch angesichts einer sich verändernden, immer multikultureller werdenden Gesellschaft bestünde Bedarf an einer praxisbegleitenden Reflexion und Supervision der Aktiven.

Nach dieser inhaltlichen Einstimmung begrüßten die Versammelten drei neue Mitgliedsorganisationen in ihrer Runde: den Bezirksverband Pfalz, das Unabhängige Kommunikations­zentrum an der Uni Mainz e.V. und die Arbeitsgemeinschaft „Juden im Alzeyer Land“.
Ebenfalls drei Neue wurden dann in den Sprecherrat der Landes-AG gewählt: Ramona Dehoff vom Förderverein Projekt KZ Osthofen e.V., Christof Pies vom Förderkreis Synagoge Laufersweiler e.V. und Joachim Stöckle vom Bezirksverband Pfalz. Wiedergewählt wurde neben Dieter Burgard (Förderverein Gedenkstätte KZ Hinzert e.V.) als Vorsitzendem auch sein Stellvertreter, Joachim Hennig (Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e.V.). Für Kontinuität bürgen auch die gewählten Beisitzer Hans-Eberhard Berkemann (Förderverein Synagoge Sobernheim), Eberhard Dittus (Förderverein „Gedenkstätte für die NS-Opfer in Neustadt e.V.“) a.d.W.), Renate Rosenau (Arbeitsgruppe Psychiatrie im Nationalsozialismus Alzey) und Thomas Zuche (Arbeitskreis „Trier im Nationalsozialismus“ der Arbeitsgemeinschaft Frieden e.V.). Sie alle stehen dafür, dass die Gedenkarbeit in den verschiedenen Regionen von Rheinland-Pfalz verankert ist und kompetent auf Landesebene vertreten wird.

(Thomas Zuche, LAG, Trier

Neuerscheinung zum Thema „NS-Opfer in Koblenz“.

Als Verein, der die Erinnerung an Verfolgung und Widerstand in Koblenz und Umgebung und gerade auch an deren Opfer wach halten will, soll hier auf das jüngste Buch von Franz Franzen hingewiesen werden. Franzen, der nach einem bewegenden Leben als Arbeiter und Gewerkschafter sowie Gewerkschaftssekretär seinen Ruhestand in Lahnstein verbringt, ist bereits mit mehreren Büchern über die Geschichte der Arbeiterbewegung im Koblenzer Raum hervorgetreten. Diesmal hat er sich einer Biografie angenommen - der des Gewerkschafters Carl Vollmerhaus. Vollmerhaus stammte nicht aus der hiesigen Region, sondern war schon früh und lange als Gewerkschafter in Berlin tätig. Als solcher war er bei der sog. Machtergreifung der Nazis im Blickfeld und hatte dann wiederholt Verfolgung zu erleiden. Im Konzentrationslager Sachsenhausen freundete er sich in der fast fünfjährigen Haft mit dem Koblenzer Sozialdemokraten und Gewerkschafter Johann Dötsch an. Es war dann auch Dötsch, der nach der Befreiung vom Faschismus seinen Kameraden für den politischen Wiederaufbau von Berlin nach Koblenz holte. Vollmerhaus war hier u.a. öffentlicher Ankläger in den Säuberungsverfahren und erster Vorsitzender des Arbeitsgerichts Koblenz. Ihm war noch ein langes und engagiertes Leben beschieden. Carl Vollmerhaus starb im Jahr 1979 in Stadtteil Metternich.

Fritz Franzen erzählt engagiert die Geschichte von Carl Vollmerhaus und kann dabei auf dessen Autobiografie sowie auf die eine oder andere Kurzbiografie über ihn zurückgreifen. Wenn seine Publikation auch gewisse Schwächen hat (etwa bei der Darstellung der Rolle der Gewerkschaften in der Spätphase der Weimarer Republik sowie des Nationalsozialismus kurz nach der sog. Machtergreifung und in der Darstellung des Lebensschicksals von Wilhelm Leuschner wie auch Johann Dötsch), so ist die Arbeit doch eine deutliche Bereicherung der Kurzbiografien des Fördervereins Mahnmal Koblenz über Carl Vollmerhaus und Johann Dötsch.

Fritz Franzen: Carl Vollmerhaus (1883 – 1979) – Vier Epochen deutscher Geschichte von Wilhelm II,. bis Willy Brandt. Das Buch ist erschienen im Verlag Graphische Werkstätten Neuwied und ist im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-00-033133-6).

Einen Presseartikel zum Buch von der Rhein-Zeitung lesen Sie HIER

 

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