Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Der Förderverein beim Tag der Demokratie in Remagen

Auf Einladung des „Bündnisses Remagen für Frieden und Demokratie“ beteiligt sich der Förderverein Mahnmal Koblenz am 23. November 2013 in Remagen mit einer Ausstellung über Kinder und Jugendliche als NS-Opfer sowie einem Vortrag des Stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins, Joachim Hennig, am diesjährigen Tag der Demokratie.

Zu diesem Tag heißt es in einer Erklärung des Bündnisses Remagen für Frieden und Demokratie:

Das Bündnis Remagen (will) den Rechtsextremen keinen Raum lassen, um ihre Heimatstadt zur Plattform für rechte Parolen zu machen. Jeweils am Tag vor Totensonntag marschieren die Rechtsextremen zum Gedenken an die Toten des Kriegsgefangenenlagers Goldene Meile auf. Dort wurden zwischen April und Juli 1945 mehr als 300.000 deutsche Soldaten inhaftiert. Die Rechtsextremisten nutzen diesen Tag, um die Täter-Opfer-Rolle umzukehren und für ihre Propagandazwecke zu nutzen. Und genau das will das 2010 gegründete Bündnis Remagen nicht akzeptieren.

Um das Ziel des Aufmarsches, die Friedenskapelle (Mahnmal am Ort der ehemaligen Rheinwiesenlager) vor Missbrauch zu schützen, wurde die Kapelle von den engagierten Initiatoren/-innen des Aktionsbündnisses erstmals im November 2010 in weiße Plastikplanen gehüllt. Der Zutritt war hierdurch nicht mehr möglich, der Blick auf den sonst offenen Innenraum war versperrt. 2011 wurde die Aktion wiederholt.

Im November 2012 gab es am Tag des geplanten Neonaziaufmarsches erstmals eine Veranstaltung mit Unterstützung des Bürgermeisters und des Stadtrates, die bisher nicht aktiv zu Gegenprotesten aufgerufen hatten. Die Verhüllung wurde von einem »Tag der Demokratie« mit einem inhaltlichen Rahmenprogramm begleitet.

Am 23. November 2013 findet der 2. „Tag der Demokratie“ in Remagen statt. In der Friedenskirche stehen die Veranstaltungen im Zeichen des Gedenkens:

12.00 Uhr

Eröffnung der Ausstellung „Kinder, Jugendliche und Jugendführer als Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz und Umgebung“ des Fördervereins Mahnmal Koblenz mit einer Einführung von Joachim Hennig

13.00 Uhr

Referat mit Präsentation von Wolfgang Gückelhorn „Das Lager Rebstock in Dernau“.

13.50 – 14.45 Uhr

Die Kirche bleibt geschlossen, um allen Teilnehmern am Tag der Demokratie Gelegenheit zu geben, die Rede von Ministerpräsidentin Malu Dreyer auf dem Marktplatz zu hören.

15.00 Uhr

Vortrag von Herrn Schankweiler: Die Kirche und ihr Verhältnis zum Judentum – Umkehr und Erneuerung.

Foto: Bündnis Remagen für Frieden und Demokratie

Unser Stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig hat zur Begründung seiner Teilnahme folgende Erklärung abgegeben:

„Ich unterstütze den Tag der Demokratie, weil die NS-Diktatur unsägliches Leid für die Menschen in Deutschland und fast ganz Europa gebracht hat und wir alle aus der Geschichte lernen müssen, dass nur Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaat und Toleranz die Garanten für ein friedliches Zusammenleben sein können.“

8. Verlegeaktion von „Stolpersteinen“ in Koblenz

Am 13. November 2013 wurden in Koblenz wieder „Stolpersteine“ verlegt. Es war ein zusätzlicher, zunächst nicht vorgesehener Termin für die Steine, die an die Familie Dr. Hugo und Senta Bernd, geb. Fuchs, am Friedrich-Ebert-Ring 39 erinnern. Ursprünglich sollten diese beiden „Stolpersteine“ bei der letzten Aktion am 30. August 2013 verlegt werden. Dies wurde aber verschoben, weil sich kurzfristig Angehörige der Familie Bernd meldeten und gern bei der Aktion dabei sein wollten. Natürlich haben die Initiatoren diesem Wunsch entsprochen und im Einvernehmen mit den Angehörigen den 13. November 2013 festgelegt. Durch die Beteiligung der Familie wurde die Verlegeaktion noch um die Kinder der Eheleute Bernd erweitert. „Stolpersteine“ erhielten auch der Sohn Rolf (geb. 1913), die Tochter Beate (geb. 1915) und der Sohn Hans (geb. 1929), die inzwischen alle verstorben sind.

Hans, Beate, Hugo und Senta Bernd (1938)

Die Verlegung der „Stolpersteine“ war für die Familie ein großes und bewegendes Ereignis. Nicht nur die noch in Koblenz lebenden Angehörigen waren anwesend, sondern auch zahlreiche Familienmitglieder aus England. Dorthin haben die jüngeren Kinder Beate und Hans, letzterer mit einem Kindertransport der Quäker, im Frühjahr 1939 aus Deutschland fliehen können.

 


Die Bernd-Kinder: Beate, Hans und Rolf (1934)

 

 

Der Rahmen der Aktion war auch ohne die Teilnahme von Gunter Demnig sehr würdig. Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig begrüßte die zahlreichen Teilnehmer, unter ihnen auch Vertreter der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit Koblenz, des Fördervereins Mahnmal Koblenz, der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz und des Freundschaftskreises Koblenz – Petah Tikva. Die nächsten Familienmitglieder legten dann nacheinander die einzelnen Steine in das Pflaster. Zur Verlegung fügten sie den Steinen Fotografien ihrer toten Angehörigen und eine Rose zur Erinnerung bei. Die Zeremonie endete mit dem von Simon Burne gesprochenen jüdischen Totengebet, dem Kaddish.

 

 

Zur Erinnerung an diesen ganz besonderen Familientag stellten sich die Angehörigen dann auch noch zum Gruppenfoto auf.

 

 

Es war eine glückliche Fügung, dass der Verlegeort unmittelbar neben dem Koblenzer Studio des SWR lag. Dadurch war ein anschließendes Interview im SWR mit Simon Burne (Sohn von Hans Bernd, der sich später in England John Burne nannte) und seiner Cousine Cathy (der Tochter von Beate Bernd) möglich. Die Aufnahmen werden dazu dienen, über die Familie Bernd einen kleinen Beitrag von SWR2 im Rahmen der „Hörstolpersteine“ zu bereichern.

Herr Burne sagte noch zu, Fotos von der Verlegeaktion zur Verfügung zu stellen sowie auch Fotos der Familie Bernd aus der Koblenzer Zeit zuzusenden. Dieses Angebot nahm Joachim Hennig vom Förderverein Mahnmal Koblenz dankend an, denn er beabsichtigt, für die Ausstellung zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2014 Personentafeln für die Bernd-Kinder zu erarbeiten.

Bewegt von dem Interesse und dem Engagement in Koblenz für ihre Familie nahmen die Burnes Abschied. Durch das gemeinsame Erinnern an ihre Angehörigen war man man sich näher gekommen. Die „Engländer“ verließen Koblenz mit der Zusage, nächstes Jahr mit weiteren Angehörigen nach Koblenz zu kommen. Wir Koblenzer werden ihnen einen interessanten Aufenthalt bereiten.

 

 


Siehe hierzu auch "Bilck Aktuell", Ausgabe Koblenz vom 30. November 2013, HIER als PDF lesen

 

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