Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Heimatbesuch ehemaliger jüdischer Koblenzer Bürger 2015

Auch in diesem Jahr besuchten wieder ehemalige jüdische Bürger aus Koblenz und Umgebung ihre alte Heimat, aus der sie und ihre Eltern vor dem Rassenwahn der Nazis noch rechtzeitig hatten fliehen können. Das Treffen, das wie jedes Jahr von der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit organisiert wurde, fand dieses Jahr zum 30. Mal statt. Wie Herr Elmar Ries von der Christlich-Jüdischen Gesellschaft zu berichten wusste, begann diese Tradition im Jahr 1985 im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten des Hilda-Gymnasiums zu seinem 150-jährigen Bestehen. Seitdem fand der Heimatbesuch – bis auf einmal – jedes Jahr statt. Das war damals – wie sich Herr Ries erinnerte – ein großes Wiedersehen der Besucher mit ihrer Heimatstadt und ein Kennen lernen mit vielen ehemaligen Koblenzern. Auch in den folgenden Jahren waren die Besucher zahlreich, es kamen immer wieder neue hinzu. Inzwischen ist der Kreis kleiner geworden. Viele Besucher früherer Jahre leben nicht mehr oder die Flugreise aus den USA oder Israel und der Aufenthalt hier sind für sie zu beschwerlich geworden. Gern wären mehr Gäste gekommen, wie der Eintrag von Frau Tami Blaettner aus Petah-Tikva, der israelischen Partnerstadt von Koblenz, auf der Homepage des Fördervereins Mahnmal Koblenz zeigt:

Tami BlaettnerSamstag, 15. August 2015 23:23 | Petach Tikwah, Israel

Hello Mr. Henning,
Because of the many mistakes I make when writing in German, I decided to write to you in English.
I still have not thanked you for the great dinner evening 2 years ago. Shame on me.
I'm not coming to Koblenz tomorrow either because I have got a new grand daughter and want to stay near her. I very much hope that next year I will be able to come to Koblenz again. I miss the meetings and the city.
I look into your sight every now and then and find interesting thing to see and read about. Thank you for that.
Greetings to you and your wife
Tami Blaettner

Aus Israel gekommen waren dieses Jahr Ronet und Israel Rubinstein. Sie wurden von Herrn Elmar Ries ganz besonders herzlich begrüßt, hat er doch Frau Rubinsteins inzwischen verstorbenen Vater Joel Bermann bei dessen Heimatbesuch in den 1980er Jahren kennen gelernt.

Wenn es auch ein kleiner Kreis mit Frau Lea Sassoon aus Tel-Aviv und den Geschwistern Appel – Werner, Ruth und Marlene und deren Kindern – war, so waren es doch für alle Teilnehmer wieder erinnerungs- und erlebnisreiche Tage in Koblenz und Umgebung. Am Ende der Woche gingen die Besucher und ihre Freunde und Bekannten mit der erklärten Absicht auseinander: „Wenn es die Gesundheit zulässt, dann kommen wir im nächsten Jahr wieder!“

Die Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz - berichtete in ihrer Ausgabe von Dienstag, den 18. August 2015, anlässlich der Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof in Koblenz über den Heimatbesuch (HIER lesen)

Beim Mittagessen im Koblenzer Weindorf:



mit Herrn Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig am Mittwoch im Weindorf in Koblenz
(Foto: Stadtverwaltung Koblenz)
 
 

mit dem Geistlichen Rat Werner Schlenzig von der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit Koblenz, Frau Lea Sassoon und Frau Christel Appel.

 

 
 Eheleute Werner und Christel Appel
 

 Ruth Homrighausen und Israel Rubinstein

 

Im Hotel Brenner:
 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Güls bei der Weinprobe:
 


 

Zum Abschluss: gemütliches Beisammensein
 

 

Weitere Pressemeldungen:

Rhein-Zeitung. Wir von hier - Heimatausgabe Koblenz - vom 28. August 2015 (HIER lesen)
 
Blick aktuell - Ausgabe Koblenz - vom 27. August 2015, Seite 20. (HIER lesen)

 

 

 

Hohe Anerkennung für langjährige Arbeit.


 Auf Vorschlag von Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat Bundespräsident Dr. h.c. Joachim Gauck unserem stellvertretenden Vorsitzenden Joachim Hennig das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (Bundesverdienstkreuz) verliehen. Am 12. Oktober 2015 überreichte Staatssekretär David Langner die Auszeichnung Joachim Hennig für seine langjährige Gedenkarbeit. Bei der kleinen Feierstunde im Rathaus von Koblenz freuten sich außer der Familie und dem Vorstand unseres Fördervereins auch Landtagspräsident Joachim Mertes, der die Anregung zur Auszeichnung gegeben hatte, der Präsident des Verfassungsgerichtshofs und des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz Dr. Lars Brocker, Bürgerbeauftragter Dieter Burgard, zugleich Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten- und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit im heutigen Rheinland-Pfalz, Bundestagsabgeordneter Detlev Pilger, Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, Kulturdezernent Detlev Knopp und die gewählte Kulturdezernentin PD Dr. Margit Theis-Scholz. Unser Förderverein schließt sich den Glückwünschen an und verbindet damit die Erwartung, dass Joachim Hennig noch lange Zeit mit uns für die Gedenkarbeit in Koblenz und Umgebung aktiv ist.

 

Joachim Hennig bedankte sich für die Auszeichnung mit den nachfolgenden Worten:

Dank

Sehr geehrter Herr Staatssekretär Langner, sehr geehrte, liebe Damen und Herren,

Dank möchte ich sagen für die überaus anerkennenden Worte, für die Ermutigung und Unterstützung in all den Jahren, für die Sympathie, für die Anregung zu dieser Auszeichnung und die Auszeichnung selbst. Dafür danke ich Ihnen allen, die Sie hierher gekommen sind, und auch unserer Ministerpräsidentin Malu Dreyer und unserem Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Es war ein langer Weg bis hierher. Dafür ist es wohl die erste Auszeichnung dieser Art für die Gedenkarbeit in Rheinland-Pfalz. Sie tut genauso gut wie die Verleihung des Kulturpreises der Stadt Koblenz im Jahr 2008 und ist eine weitere, großartige Anerkennung für die Arbeit und die gesamte Thematik.

Die Gedenkarbeit und die Erinnerungskultur haben es schwer gehabt. Die erste offizielle Gedenkveranstaltung zum 20. Juli fand in Deutschland im Jahre 1954 statt – also genau 10 Jahre nach dem Attentats- und Umsturzversuch. Damals galten der Mehrheit der Bevölkerung die Männer des 20. Juli noch als Verräter, mal als „Hochverräter“, mal als „Landesverräter“ oder „Volksverräter“ – aber eben als „Verräter“. Welchen Kampf hatte Fritz Bauer zu dieser Zeit als Staatsanwalt im Remer-Prozess und Jahre später als hessischer Generalstaatsanwalt in den Auschwitz-Prozessen zu führen. Erst in den letzten Jahren ist ihm Gerechtigkeit widerfahren, zuletzt in dem vor einigen Tagen angelaufenen Film mit dem viel sagenden Titel: „Der Staat gegen Fritz Bauer“.

Welchen Weg sind wir seitdem gegangen – als Individuen, als Gesellschaft und als Staat! Sicherlich hat uns allen der Zeitablauf geholfen. Heute steht nicht mehr die politisch-justizielle Auseinandersetzung mit den Folgen der Hitler-Diktatur und ihrer Verbrechen im Vordergrund, wir haben nicht – wie es Fritz Bauer anlässlich des Auschwitz-Prozesses noch eingefordert hatte – „Gerichtstag (zu) halten über uns selbst“.

Vielmehr geht es heute – noch immer – entscheidend um die wissenschaftliche Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und um die Vermittlung dieser Vergangenheit. Dabei hat diese Arbeit eine Verbreiterung und Vertiefung erfahren. Im Vordergrund stehen längst nicht mehr „nur“ der „große“ Widerstand, etwa der des 20. Juli, und auch nicht „nur“ der Holocaust im Osten, sondern ganz konkret gerade auch die Geschichte und die Menschen vor Ort. Stichworte sind das Motto des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten Anfang der 1980er Jahre: „Nicht irgendwo, sondern hier bei uns“ und die „Graswurzelarbeit“ der sog. Hobbyhistoriker: „Grabe da, wo Du stehst!

Diese Arbeit hier in Koblenz hat recht beachtliche Ergebnisse und Erfolge gebracht, wenn sie auch nur von wenigen oft als „Einzelkämpfer geleistet wurde. Aber eins muss man Koblenz und den Koblenzern lassen: Es gab und es gibt einen breiten Konsens über diese Arbeit bei den wichtigen, im Stadtrat vertretenen Parteien. Das hat gut getan – genauso wie es gut getan hat und immer wieder gut tut, diesen Konsens bei den wichtigen Parteien und ihren Repräsentanten in unserem Land festzustellen.

Ich wünsche mir und uns allen, dass das auch so bleibt. Denn mit dieser Arbeit geht es nicht nur um die Aufarbeitung und Darstellung der Vergangenheit. Die Aufgabe ist viel größer und umfassender. Zum einen geht es um den Respekt und um die Empathie für die überlebenden und die toten Opfer des Nationalsozialismus und ihre Angehörigen. Und zu anderen geht es um den Erwerb von historischem Bewusstsein, um die Entwicklung einer demokratischen Grundhaltung und die Förderung von Urteilsvermögen und Handlungskompetenz. Die Aufgabe heißt historisch-politische Bildung. Und das nicht nur an bestimmten Jahres- und Gedenktagen und bestimmten Gedenk- und Erinnerungsorten, sondern immer und immer wieder. Die Gedenkarbeit und Erinnerungskultur dürfen kein bloßer Reflex der Politik sein – ein Reflex der Politik und der Politiker etwa dann, wenn Asylbewerberunterkünfte brennen. Gedenkarbeit und Erinnerungskultur wollen etwas bewirken und verändern: Empathie und Respekt gegenüber den Opfern und auch Wertschätzung für Menschen mit Zivilcourage fördern. Sie wollen Menschen herausstellen, die Widerstand gegen Unrecht leisteten und für die Werte der Demokratie, der Menschenrechte und des Friedens gekämpft haben – damit wir alle, die Deutschen und die Nichtdeutschen, die Älteren und die Jüngeren, uns daran ein Vorbild nehmen und dem nacheifern. Das haben wir in den letzten 70 Jahren geschafft. Wir werden es auch unter den neuen Herausforderungen schaffen. Dieser Orden ist eine Auszeichnung für geleistete Arbeit und eine Verpflichtung für die Zukunft. – Ich danke Ihnen allen und hoffe sehr auf Ihre Ermutigung und Unterstützung!

 
Foto: Natascha Desgronte
 
Über die Verleihung wurde wiederholt in den Medien berichtet. Ein Interview mit Joachim Hennig sendeten das Mittagsmagazin des SWR4 - Studio Koblenz - und Antenne 98.0.
Die Printmedien brachten längere Artikel über die Ehrung:


Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz HIER lesen

LokalAnzeiger - Koblenzer Schängel HIER lesen

Blick aktuell - Ausgabe Koblenz HIER lesen


 

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