Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Der Tod des Afroamerikaners George Floyd nach einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota am 25. Mai 2020 hat das Problem des (weißen) Rassismus auf einmal wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht - in den USA, aber auch anderswo, auch bei uns. Verschwunden war das Problem ja nie - wohl aber verschwiegen, nicht öffentlich gemacht. Jetzt ist es in das allgemeine Bewusstsein gerückt. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ja nicht zu spontanen und deutlichen Worten neigt, brachte es sehr schnell auf den Punkt: Der Tod von George Floyd ist "etwas ganz, ganz Schreckliches. Rassismus ist etwas Schreckliches." Zu recht sagte die Bundekanzler klar und deutlich: Rassismus hat es zu allen Zeiten gegeben, leider auch in Deutschland." Deshalb forderte sie: "Und jetzt kehren wir mal vor unserer eigenen Haustür."
 
Unser stellvertretender Vorsitzenden Joachim Hennig hat dies aufgegriffen und in seiner "Schängel"-Serie "Erinnerung an NS-Opfer" einen Blick in die Geschichte, gerade auch in die Regionalgeschichte des Rassismus im 20. Jahrhundert geworfen. Daraus ist eine kleine Serie über den Rassismus in Koblenz und Umgebung entstanden.
 
In einem ersten Betrag im Schängel - Ausgabe Nr. 24 - vom 10. Juni 2020 berichtet eer über die "Schwarze Schmach", die man allgemein im Rheinland in der Stationierung schwarzer Besatzungssoldaten nach dem Ersten Weltkrieg hier sah.
 
Lesen Sie HIER den Artiel: "I can't breathe" - "Rheinland-Bastarde"- "Schwarze Schmach".
 
 
In seinem nächsten Zeitungsartikel schilderte er die Geschichte eines dunkelhäutigen Deutschen, der in der NS-Zeit eine "Deutschblütige" nicht heiraten durfte, selbst dann nicht, nachdem er sich "freiwillig" hatte sterilisieren lassen.
 
Lesen Sie HIER den Beitrag unseres stellvertretenden Vorsitzenden Joachim Hennig "Alltäglicher Rassismus - damals und heute" im "Schängel" - Ausgabe Nr. 25 - vom 17. Juni 2020.
 
 
In einem dritten Artikel berichtete Hennig über Zwangssterilisationen in Koblenz und wie dieser NS-"Rassenhygiene" nicht nur erbkranke Menschen sondern auch zahlreiche sozial schwache und unangepasste zum Opfer fielen.

Lesen Sie HIER den Artikel "Rassismus und die 'soziale Frage' - damals und heute".
 

Endlich erste Erfolge bei Ehrungen für NS-Täter
 
Seit einigen Jahren engagiert sich unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig gegen Ehrungen von NS-Tätern. Öffentlich begonnen hatte das im März 2017 mit Artikeln gegen die Benennung der Friedrich Syrup-Straße (nach einem NS-Kriegsverbrecher) in Koblenz-Rauental. Das ging dann weiter mit aufklärerischer Kritik an der Benennung der Fritz Michel-Straße  (und dessen Ehrenbürgerschaft) und der Hans Bellinghausen- Straße (nach einem NS-Propagandisten) in Koblenz-Neuendorf/Wallersheim und der Hanns Maria Lux Straße (nach einem NS-Lehrerfunktionär) in Koblenz-Asterstein. Jahrzehntelang vor und auch einige Jahre danach hat sich nichts getan. Jetzt - durch die Verleihung der Ehrenbürgerrechte an den früheren Oberbürgermeister Dr. Eberhard Schulte-Wissermann - ist endlich Bewegung in diese Ehrungen gekommen. Die Fraktion "Die Linke" nahm diese letzte Ehrung zum Anlass, sich einmal die Liste der Ehrenbürger der Stadt Koblenz vorzunehmen und stieß dabei auf den Ehrenbürger Dr. med. Dr. phil. h.c. Fritz Michel. Die "Linke" ergriff dann die Initiative und stellte den Antrag auf Aberkennung der Ehrenbürgerrechte für ihn. Es dauerte dann noch quälend lange, bis sich der Stadtrat mehrheitlich zum Widerruf der Ehrenbürgerrechte für den - wie Hennig ihn nennt - Menschenververstümmler Dr. Fritz Michel durchringen konnte. Weil der Stadtrat gerade dabei war, erkannte er die Ehrenbürgerrechte auch dem damaligen Generalfeldmarschall und späteren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg ab, dem Totengräber der ersten deutschen Demokratie und Steigbügelhalter Hitlers und der NS-Diktatur.
 
Inzwischen hat auch die Stadt Lahnstein die Ehrenbürgerrechte für Dr. Fritz Michel, die er sowohl für Niederlahnstein als auch für Oberlahnstein erhalten hatte, aberkannt. Infolge dieses Widerrufs beschäftigte sich der Lahnsteiner Stadtrat jetzt mit der Frage der Umbenennung der nach Dr. Fritz Michel benannten Straße in Niederlahnstein. Der Stadtrat beschloss, mit dieser nicht mehr ihn sondern seinen Vater zu ehren, der wohl Landarzt in Lahnstein gewesen war. Das rechtfertigte man mit dessen Verdiensten für Lahnstein - obwohl dieser Dr. Michel auf der offiziellen Homepage der Stadt Lahnstein weder als Ehrenbürger noch unter "Söhne und Töchter der Stadt" noch unter "Mit der Stadt verbundene Personen" auftaucht. Das ist - so Hennig -  eine Halbherzigkeit und Augenwischerei, die dadurch formal möglich ist, dass die Straße keinen Vornamen nennt sondern lediglich "Dr. Michel-Straße" heißt. Die einzige Änderung besteht darin, dass irgendwann einmal das Zusatzschild, das die Verdienste und die Ehrenbürgerschaft Dr. Fritz Michels hervorghebt, abmontiert wird. Wer Namengeber der Straße ist, bleibt aber natürlich im Bewusstsein der Bevölkerung.
 
Diesen Trick nahm jetzt das SWR Fernsehen in der Landesschau vom 18. Juni 2020 zum Anlass, einen Bericht über die Fritz-Michel-Straße und ihren Namensgeber zu senden. Darin schildert die Nichte ihrer von Dr. Fritz Michel zwangsweisen sterilisierten Tante von deren jahrzehntelangem Leiden.  Unser stellvertretender Vorsitzender gibt ebenfalls eine Stellungnahme ab. Der Fernsehbericht schließt mit der Frage, wie die Stadt Koblenz ihrerseits mit der Benennung der Fritz Michel-Straße umgehen wird. Man darf gespannt sein.
 
Sehen Sie HIER den Bericht in der Landesschau des SWR Fernsehens vom 18. Juni 2020
 
( https://www.swrfernsehen.de/landesschau-rp/sendungverpasst-102.html )

Lesen Sie HIER den Beitrag unseres Stellvertretenden Vorsitzenden Joachim Hennig im "Schängel" Nr. 27 vom 1. Juli 2020 über die Zwangssterilisationen, die vergessenen Opfer dieses schweren NS-Unrechts und die vergessenen Täter sowie die Frage, was jetzt mit der Straßenbenennung nach Dr. Fritz Michel in Koblenz und seinem Denkmal vor dem Evangelischen Stift St. Martin in Koblenz geschieht.

nach oben