Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Endlich da: Viele wichtige Informationen zur Geschichte der Juden in Koblenz

 

 

Seit Jahrzehnten fehlt eine Geschichte der Juden in Koblenz. Aus Anlass des diesjährigen Jubiläums „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ hat der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz Joachim Hennig auch diese Geschichte aufgeschrieben. Hennig, der erst kürzlich die Erinnerungen von Kurt Hermann an seine Kindheit und Jugend in Koblenz 1918-1935 neu bearbeitet herausgebracht und weitere Projekte in der Planung hat, schildert in seiner neuesten Arbeit nach einem Prolog zur spätrömischen und frühmittelalterlichen Zeit die Anfänge der jüdischen Gemeinde an Rhein und Mosel im 12. Jahrhundert. Dem Leser/der Leserin führt er die sehr wechselvollen Jahrhunderte jüdischen Lebens vor Augen, wie sie von den Trierer Kurfürsten, den Franzosen, den Preußen, von den Mitmenschen der Juden in Koblenz und teilweise auch von ihnen selbst mitgeprägt wurden.

Dabei konnte sich Hennig auf Vorarbeiten stützen: auf das sehr wichtige Werk der früheren Lehrerin Hildburg-Helene Thill: „Lebensbilder jüdischer Koblenzer und ihre Schicksale“ (1987), zwei Abhandlungen in der 1992/93 herausgekommenen Stadtgeschichte von Koblenz und spezielle Arbeiten von Dr. Ulrich Offerhaus in den letzten Jahren. Diese und viele Quellen, wie sie etwa in der neunbändigen, von Prof. Dr. Franz-Josef Heyen verantworteten „Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Rheinland-Pfalz und im Saarland von 1800 bis 1945“ (ab 1972) dokumentiert sind, hat Hennig zu einer Gesamtdarstellung zusammengefügt. Unter dem Titel: „Von der ‚Universitas Iudeorum in Confluencia‘ zu Körperschaften des öffentlichen Rechts – Geschichte der Juden in Koblenz“ lädt der Autor zu einer Zeitreise ein. Nahe gebracht wird diese Geschichte auf 110 Seiten auch durch zahlreiche Abbildungen und Karten sowie durch Biografien jüdischer Koblenzer.

Der Autor ist sich bewusst, dass dies nur ein erster, allerdings großer Wurf zur Geschichte der Juden in Koblenz sein kann. Das gilt umso mehr, als bisher nur der 1. Teil bis zum Beginn der Kaiserzeit (1870/71) fertiggestellt ist. Der 2. Teil von der Kaiserzeit bis ins 21. Jahrhundert folgt bis Ende dieses Jahres. Beide Teile sollen eine Anregung zur intensiven Beschäftigung mit diesem Teil der Koblenzer Stadtgeschichte sein und möglichst viele zum Lesen, aber auch zum weiteren Erforschen der jüdischen Geschichte von Koblenz motivieren.

Diese Geschichte der Juden in Koblenz können Sie HIER herunterladen oder lesen 

 

Neue Publikation:

„All das war doch so schön – aber aus meinen Lieben wurden Seifen und Lampenschirme gemacht.“ – Jüdische Koblenzer erinnern sich an Kindheit und Jugend“.

Nach den beiden Dokumentationen über Pfarrer Paul Schneider, den „Prediger von Buchenwald“, und seine Frau Margarete präsentiert der Förderverein Mahnmal Koblenz eine weitere Publikation auf seiner Homepage. Jetzt, nach 35 Jahren, erscheinen (wieder) die „Erinnerungen an Koblenz 1918-1935“ von dem Koblenzer Schängel Kurt Hermann und dem jüdischen Pionier Benjamin Bar Jehuda.

 Im Jahr 1985 hatte Kurt Hermann bei seinem „Heimatbesuch“ ehemaliger jüdischer Koblenzer diese Autobiografie seiner Heimat- und Sehnsuchtsstadt Koblenz zur Veröffentlichung überlassen. Seinerzeit wurde sie vom Evangelischen Gemeindeverband Koblenz und der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit Koblenz in einer recht einfachen Broschüre gedruckt. Wenig später war sie nicht mehr verfügbar und vergessen. Nun 35 Jahre später ist das Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ ein sehr guter Anlass, diese Geschichte wiederzuentdecken und sie einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Kurt Hermann hat in ihr seine Kindheit und Jugend in Koblenz von seiner Geburt 1918 bis zu seiner Emigration Ende 1935 ausführlich geschildert. In dieser jedenfalls aus jüdischer Sicht wohl einzigartigen Lebensgeschichte erfahren wir aus erster Hand mehr über die Zwischenkriegszeit – die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen – in Koblenz. Kurt Hermann schildert das bürgerliche Leben seiner Jugend, in das sich die Juden in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts fest integriert hatten. Wir erfahren auch mehr über die ersten Jahre der NS-Herrschaft hier und über seinen Anfang in britischen Mandatsgebiet Palästina.

 

Vier Freunde auf dem Balkon des Koblenzer Synagogeninnenhofs, 1934.
Auf der Bank v.l.n.r.: Liesel Reiling, Anni Kirchheimer und Kurt Hermann, dahinter Leo Horn (Quelle: StAK N 174 Nr. 2 Bild 002).

 

Diese Lebensgeschíchte hat unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig nicht nur neu entdeckt, sondern mit sehr vielen und weiterführenden Anmerkungen und sehr zahlreichen historischen Fotos der Familie Hermann sowie der Stadt Koblenz und ihrer Umgebung aufgearbeitet. Die Neuherausgabe von Kurt Hermanns Erinnerungen schließt mit seinem Wiedersehen von Koblenz und seinen Freunden in den 1980er Jahren ab. Ergänzt wird seine Autobiografie von fünf selbstgeschrieben kurzen Lebensläufen seiner damaligen Freunde, der Geschwister Carry, Fritz und Hilde Jordan sowie Max Jacoby, Herbert Scheye und Harald Schloß.

Diese beiden Teile – Kurt Hermanns „Erinnerungen“ und die Lebensläufe weiterer ehemaliger jüdischer Koblenzer – erscheinen jetzt unter dem Titel: „All das war doch so schön – aber aus meinen Lieben wurden Seifen und Lampenschirme gemacht. – Jüdische Koblenzer erinnern sich an Kindheit und Jugend“. Entstanden ist damit ein sehr eindrückliches Bild vom (jüdischen) Koblenz der Zwischenkriegszeit, ein Bild glücklicher Jahre, die für die allermeisten Juden schon sehr bald einerseits in der schweren Zeit der Emigration und andererseits in die Deportation und in den Holocaust endeten. Diese Jahre sind unwiederbringlich – umso mehr wollen wir uns an sie und die jüdischen Menschen jener Jahre erinnern.

Lesen Sie HIER: „All das war doch so schön – aber aus meinen Lieben wurden Seifen und Lampenschirme gemacht.“ – Jüdische Koblenzer erinnern sich an Kindheit und Jugend“.

 Abschiedsfoto der Familie Hermann mit den Eltern Leo und Johanna Hermann, dem älteren Sohn Hans (links),
dem "Nesthäkchen" Hannelore und Kurt (rechts), anlässlich von Kurt Hermanns Emigration Ende 1935 nach Palästina.

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